Wirtschaft
18.11.2018

Wie Konsumenten von Maschinen durchleuchtet werden

Kundendaten verstauben nicht mehr ungenützt, sie werden ausgewertet. Von Maschinen, die Menschen immer besser durchleuchten.

Mittels Gehirnströmung messen, was in den Köpfen der Menschen vorgeht? Klingt nach Science Fiction, ist aber schon Realität.

„Brainwave“ heißt die Technologie, mit der Forscher transparent machen, was sich im Hirnkastl abspielt – und zwar in Echtzeit. Diese Erkenntnis ist für Werber bares Geld wert, etwa für jene der Österreich Werbung (ÖW). „Wir haben in fünf Ländern potenzielle Kunden zum Brainwave eingeladen, um herauszufinden, welche Szenen in Werbevideos welche Emotionen hervorrufen“, sagt Holger Sicking von der ÖW. Was keine Urlaubslust weckt, wird erst gar nicht ausgestrahlt. Damit sinkt auch das Risiko, dass das Werbebudget wirkungslos verpufft.

Urlauber treten gern auf diversen Plattformen breit, wie es ihnen im Urlaub ergangen ist. Auf Trip Advisor zum Beispiel. Zu Österreich gab es dort 60.000 Postings, weiß Sicking. „So viele Daten kann kein Mensch auswerten, deswegen haben wir gemeinsam mit der TU-Wien auf Machine Learning, also die künstliche Generierung von Wissen, gesetzt.“ Sprich: Computer haben analysiert, zu welchen Themen welche Personen gepostet haben und wertvolle Schlüsse gezogen. „Dank solcher Datenprojekte wissen wir jetzt zum Beispiel, um welche Jahreszeit sich viele Briten für den nächsten Skiurlaub interessieren, wann und wo sie buchen – und wann wir unsere Werbung schalten müssen.“

Dass Maschinen diesen Job übernehmen, ist nichts Neues. Auf Flughäfen, etwa in Kopenhagen, gibt es bereits Werbe-Displays, die per Kamera ermitteln, ob mehr Frauen oder Männer an ihnen vorbei laufen. Kommt ein Fußball-Club vorbei, wird eher ein Auto als eine Handtasche über den Bildschirm flimmern. Panasonic ist mit seinen Kamera-Entwicklungen sogar schon einen Schritt weiter. Bei einer Ausstellung in Tokio präsentiert der Konzern Kameras, die nicht nur Geschlecht, sondern auch das Alter und den Blutdruck des Passanten angeben sollen – mittels Gesichtsscan.

Handyortung

Die Zeiten, in denen man ein Shoppingcenter betreten konnte, ohne dass es jemand merkt, sind ohnehin vorbei. So gut wie jedes Geschäft zählt, wie viele Menschen hereinspazieren. Und die Manager wollen natürlich auch wissen, aus welchen Gemeinden ihre Kunden kommen – eine Info, die Telekom-Unternehmen dank Handyortung liefern können.

„Früher konnten Shoppingcenter jeden tracken, selbst wenn er sich nicht ins W-Lan eingewählt hat. aber dem haben Apple und Google in den vergangenen Jahren einen Riegel vorgeschoben“, sagt Michael Horner, technischer Leiter des Linzer Software-Firma dots. Er hat mit Kollegen eine App für die Linzer Innenstadt entwickelt, an die sich 80 Händler vom Start weg angeschlossen haben. Ziel ist es, Kunden zu umwerben, die laut Ortung ihres Handys gerade in der Stadt sind. „Wer will, kann die Ortung aber auch wegschalten“, betont Horner.

Ganz aus mit der Anonymität ist es beim Einkaufen im Internet. Das erkennen selbst unbedarfte Konsumenten, die nach der Suche nach einem Flug in die Sonne plötzlich auf sämtlichen Webseiten Urlaubs-Angebote eingespielt bekommen – dank der von Google eingespielten Werbebanner. Dass man damit besonders billig davonkommt, stellen Experten in Abrede. Die Systeme registrieren auch, wer sich ernsthaft für ein Produkt oder einen Flug interessiert – und setzten die Preise nach oben.