Westbahn wettert gegen ÖBB: Pendler verlieren bald Zeit

Ein Zug der Westbahn steht neben einem roten ÖBB-Zug an einem Bahnsteig.
Der neue Fahrplan soll durch Klagen blockiert werden. VOR und Arbeiterkammer fordern zum Einlenken auf.

Ab 13. Dezember fahren ÖBB Railjets, Intercitys, Eurocitys und Euronight-Züge der Weststrecke zum Wiener Hauptbahnhof. Der Fahrplan ändert sich aber auch für jene Züge massiv, die weiter über den Westbahnhof verkehren. Erich Forster, Geschäftsführer der WESTbahn Management GmbH, hat damit keine Freude und warnt: "Pendler müssen auf der Weststrecke mit massiven Fahrzeitverschlechterungen rechnen. Für die Strecke Wien West-Amstetten wird sich die Fahrzeit je nach Zugverbindung um 8 beziehungsweise 13 Minuten auf 93 Minuten verlängern." Insbesondere im Zulauf nach St. Pölten käme es laut Westbahn zu längeren Fahrzeiten.

Die ÖBB bezeichneten den Westbahn-Vergleich der Fahrzeiten - ab Westbahnhof - als "unsinnig". Korrekterweise müsste man den Abfahrtsbahnhof beider Bahnen vergleichen - bei den ÖBB seien es der neue Wiener Hauptbahnhof und Wien-Meidling, bei der Westbahn der Westbahnhof. Die Fahrzeit Wien-Amstetten ab dem ÖBB-Fahrplanwechsel werde mit einem ÖBB-Intercity (Abfahrt Hauptbahnhof bzw. Meidling) je nach Zug und Trasse mit plus/minus 2 Minuten im Wesentlichen gleich bleiben.

Die ÖBB betonen in Richtung Pendler, dass durch den Halt in beiden Bahnhöfen völlig neue Umsteigemöglichkeiten entstünden wie beispielsweise St. Pölten - Wiener Neustadt. Die Erreichbarkeit Wiens verbessere sich für Fahrgäste, die von Westen kommen, durch den neuen Hauptbahnhof enorm: Alle S- und U-Bahn-Stationen Wiens seien in 30 Minuten erreichbar, was vom Westbahnhof nicht der Fall sei.

Klagen blockieren Pläne

Die Westbahn stößt sich aber auch an den Direktvergaben vom Verkehrsministerium (BMVIT) und Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) an die ÖBB und sieht keinen fairen Wettbewerb im österreichischen Transportwesen. In diesem Zusammenhang wurden von der Westbahn sowohl gegen den VOR als auch das BMVIT im September 2015 Nachprüfungsanträge eingebracht. Mit diesen Klagen wird eine Aufnahme der neu geplanten Westverbindungen ab Winter bis auf Weiteres blockiert.

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Georg Huemer, Pressesprecher des VOR, dazu: "Was die Westbahn hier tut, ist nichts anderes als juristischer Aktionismus auf Kosten des Gesamtsystems." Die Westbahn versuche, "Anpassungen im Fahrplangefüge zu verhindern, die kostenneutral umgesetzt werden sollen und den Fahrgästen nützen. Also im Rahmen bestehender Verträge, ohne dass zusätzliches Steuergeld dafür ausgegeben werden soll."

"Hier stehen übergeordnete Verkehrsinteressen gegen das Einzelinteresse eines Unternehmens."

Kritik am Vorgehen der Westbahn kommt auch von der Arbeiterkammer: "Die Direktvergabe ist unbedingt nötig, um den für die Pendlerinnen und Pendler wichtigen integrierten Taktfahrplan zu schaffen. Nur so können wir attraktive Verbindungen und Umsteigemöglichkeiten schaffen und mehr Leute in die Bahn bringen", so Sylvia Leodolter, Leiterin der AK Abteilung Verkehr und Umwelt. "Hier stehen übergeordnete Verkehrsinteressen gegen das Einzelinteresse eines Unternehmens. Wir fordern die Westbahn auf, hier im Sinne eines guten Nahverkehrsangebotes einzulenken."

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