Wirtschaft
26.05.2018

Wer bei der Pkw-Maut einfahren würde

Durch eine EU-weite einheitliche Pkw-Maut wird häufiges Lustfahren teurer, für Pendler soll es Unterstützung geben

Nachdem sich der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments für eine einheitliche europaweite Pkw-Maut ausgesprochen hat, ist unter Befürwortern und Gegnern eine hitzige Diskussion entflammt. Der KURIER hat sich vorab angeschaut, wer die Gewinner und Verlierer einer solchen Regelung wären.

Besserverdiener Laut Statistik Austria fahren Österreicher mit hohen Einkommen deutlich mehr mit dem Auto, als jene mit niedrigeren Einkommen. Wer ein Wochenendhaus in Kitzbühel hat, ist demnach wesentlich öfter auf der Autobahn anzutreffen, als ein Schrebergärtner aus Wien.

Manager Zu den Vielfahrern zählen auch Geschäftsleute, die oft mit dem Dienstwagen unterwegs sind und häufig die Autobahnen frequentieren.

Pendler Verlierer wären auch Menschen, die nur mit dem Auto ihren Arbeitsplatz erreichen. Laut Statistik gibt es in Österreich zwei Millionen Pendler. Die Zahl der Betroffenen ist aber wesentlich niedriger, da es reicht, die Gemeindegrenze zu überschreiten, um als Pendler zu gelten. Für jene, die keine Alternative zum Auto haben, sind bereits Unterstützungen im Gespräch.

Wenigfahrer Eine Pkw-Maut käme Wenigfahrern zugute. Wer bisher nur selten die Autobahn benutzt, muss trotzdem eine Jahresvignette um 87,30 Euro kaufen. Bei einer kilometerbezogenen Maut wäre das wesentlich günstiger. Wer derzeit 1000 Kilometer pro Jahr fährt, zahlt via Vignette 8,73 Cent pro Kilometer. Wer 10.000 Kilometer fährt, bezahlt nur 0,87 Cent.

UmweltDer größte Profiteur wäre die Umwelt. Die Klimaziele sind in vielen Bereichen noch in weiter Ferne, der Verkehrssektor ist einer, der am weitesten von seinem Ziel entfernt ist.

„Die Maßnahme wäre auf jeden Fall ein Anreiz, Fahrgemeinschaften zu bilden oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen“, sagt Christian Gratzer, Sprecher des Verkehrsclubs Österreich. Beim Pendlerthema sollten Unternehmen stärker ins Boot geholt werden. Hier gäbe es bereits positive Beispiele, wie Gratis-Öffi-Tickets oder das Forcieren von Radfahren und Busverbindungen. Berger Logistik, das Unternehmen des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Gerhard Berger, habe gar seinen neuen Standort in Wörgl direkt an den Bahnhof verlegt und so eine bessere Anbindung erreicht.

Schwere Bedenken beim Thema Pkw-Maut hat Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ. „Dadurch sind noch mehr Intransparenz und höhere Kosten zu erwarten.“ Bei der Lkw-Maut gebe es in Europa viele verschiedene Systeme, Lastwägen seien zum Teil mit fünf bis sieben Mautboxen unterwegs. Es gäbe in Europa viele verschiedene Autobahnbetreiber, die die Einnahmen und deren Verteilung steuern würden. Dieser „Fleckerlteppich“ sei sehr komplex. Er bezweifelt, das für Pkw tatsächlich ein einheitliches System käme. Lastwägen würden zum Beispiel in Österreich 40 und in Deutschland 17 Cent pro Kilometer zahlen. Die Vignette sei billiger und brauche keine Wartung.

Nicht nur der ÖAMTC, auch der ARBÖ spricht sich gegen die EU-Maut aus. „Das macht Autofahren teurer und trifft die Pendler“, sagt ARBÖ-Sprecher Sebastian Obrecht. Das österreichische System funktioniere gut und sei fair. Ob die geplante Maut tatsächlich kommt, ist noch völlig offen. Die österreichische Politik hat jedenfalls schon Widerstand angekündigt.