© APA/dpa/Carsten Rehder

Ei-Produktion
10/24/2020

Warum niemand wissen soll, dass Hühner im Käfig sitzen

Wettbewerbsverzerrung im EU-Binnenmarkt

von Andreas Anzenberger

Am 12. November wird im tschechischen Senat über ein Verbot der Käfighaltung für Hühner in Tschechien abgestimmt. Die tschechische Abgeordnetenkammer hat bereits für das Verbot gestimmt. „Die Senatoren dürfen keinen Rückzieher mehr machen“, hofft Corina Reinisch, Nutztierexpertin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Auch wenn das Verbot erst in einigen Jahren in Kraft treten soll, spricht Reinisch von einem wichtigen Schritt. Auch für Österreich.

Vier Pfoten bemüht sich gemeinsam mit anderen Tierschutzorganisationen um eine Angleichung der EU-Standards in der Tierhaltung. Das hat auch Auswirkungen auf die Agrarökonomie. Die unterschiedlichen Standards in der Landwirtschaft sorgen derzeit für permanente Wettbewerbs- und Marktverzerrungen. Je niedriger die Standards in den jeweiligen EU-Ländern, desto billiger die Produktion, die im gemeinsamen EU-Markt verkauft werden darf.

In Österreich ist die Käfighaltung von Hühnern längst verboten. In Tschechien leben laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten derzeit 84 Prozent aller Legehennen in Käfigen, in Polen sind 86 Prozent und in der Slowakei 83 Prozent. Österreich hat 2018 rund 819 Tonnen Eier und 810 Tonnen Eiprodukte aus Tschechien importiert.

Zwei Milliarden Eier

Man soll die Summen nicht unterschätzen, um die es hier geht. Allein in Österreich gibt es sieben Millionen Legehennen. Deren Gesamtproduktion beträgt laut der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft (Zag) jährlich etwa zwei Milliarden Eier.

Wobei es bei den Eiern mit Schale, die im Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden, längst eine Lösung gibt, mit der alle zufrieden sind. Hier ist eine genaue Herkunftsbezeichnung vorgeschrieben. Es wurde in Österreich eine Eier-Datenbank angelegt, mit der Herkunft und Haltung nachvollzogen werden kann. Seit einigen Jahren werden die Hühner gentechnikfrei gefüttert. Bei Eiern in Schale gibt es im Lebensmitteleinzelhandel keine ausländische Ware.

Bei verarbeiteten Eiern gibt es aber noch keine Deklarationspflicht. Das betrifft zwei Drittel aller Eier, die in Österreich verzehrt werden. Weder bei den Nudeln noch beim Kuchen weiß der Konsument, wo die Eier herkommen und wie die Hühner gehalten werden.

Michael Wurzer, Geschäftsführer der Zag, drängt daher auf eine verpflichtende Kennzeichnung der Haltungsform und der Herkunft von Eiprodukten. Aktuell gibt es Käfighaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung und Bio.

Wurzer verweist auf das aktuelle Regierungsprogramm. Dort ist ein verpflichtende Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten in der Gemeinschaftsverpflegung vorgesehen.

Die öffentliche Hand habe die Verpflichtung, nur Produkte einzukaufen, die auch den Vorgaben in Österreich entsprechen, betont der Zag-Geschäftsführer. „Das es Eiprodukte zu völlig unterschiedlichen Preisen am Markt gibt, zeigt mir, dass der Markt schlecht geregelt ist.“

Widerstand

Natürlich wünscht sich Wurzer eine Deklarationspflicht für alle Eiprodukte. Doch da gibt es Widerstand. Die ohnehin von der Corona-Krise schwer gebeutelte Gastronomie und Hotellerie müsste ihren Kunden erklären, warum die Eierspeis aus einem Kanister kommt, der in Polen mit Käfigeiern befüllt wurde. Oder zu einem höheren Preis in Österreich einkaufen.

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