Warum China den Euro-Ländern helfen will

China ist bereit eine helfende Hand auszustrecken, so Ministerpräsident Wen Jiabao. Warum und zu welchem Preis China frisches Geld für Europa liefern will.

China will in Zukunft verstärkt in Europa investieren. Ministerpräsident Wen Jiabao kündigte Beiträge seines Landes an, die zu einem „robusten, nachhaltigen und ausgeglichenen Wachstum der Weltwirtschaft“ führen sollen. Dafür will China "eine helfende Hand auszustrecken". Welche Interessen die Volksrepublik damit verfolgt: Warum will China helfen?
Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Länder kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Mrd. Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. China hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden. Kann sich China die Hilfe leisten?
Ja. Mit 3,2 Bill. Dollar (2.345 Mrd. Euro) besitzt die Volksrepublik die mit Abstand größten Devisenreserven der Welt. Ein Teil davon ist bereits in Euro-Wertpapieren wie Staatsanleihen angelegt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Die Regierung in Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven in Euro-Papieren stecken und zwei Drittel in Dollar-Anlagen. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen. Gibt es kritische Stimmen in China?
Bedenken kommen vor allem aus der Zentralbank. Deren Berater Li Daokui warnt davor, größere Summen in europäische Staatsanleihen zu stecken. Auch Yu Yongding, ein ehemaliger Notenbank-Berater, warnt vor der Anhäufung immer größerer Devisenreserven. Fordert China Gegenleistungen?
Ja. China möchte von der EU den Status als Marktwirtschaft erhalten. Das würde automatisch den Abbau von Handelshemmnissen bedeuten, über die sich der Exportweltmeister seit langem beklagt. China erhofft sich auch ein Ende des seit dem Massaker gegen die Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 geltenden EU-Waffenembargos.

Im Bild: Studenten reinigen den Tiananmen-Platz in Peking. Steht China trotz der Krise zu seinem Investment in Europa?
China hat seit Ausbruch der Krise vor mehr als einem Jahr immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. "Wir haben es zigmal gesagt, dass China bereit ist zu helfen", so Ministerpräsident Wen Jiabao. "Wir werden dort weiter investieren." Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen. Kauft China nur Wertpapiere auf?
Nein, China sichert seine Interessen auf vielfältige Weise. Griechischen Reedern etwa wurde ein Kredit über zehn Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift… …und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des osteuropäischen Landes modernisieren soll. Gibt es Kritik an der Shoppingtour Chinas?
Amnesty International (AI) befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund rücken. "Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird", sagt AI-China-Experte Dirk Pleiter. 

Im Bild: Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei.

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(apa / js) Erstellt am
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