Volksabstimmung: Schweizer wollen ihr Gold retten

Goldbarren gestapelt mit einer Schweizer Münze im Vordergrund.
Schweizer fordern Verdreifachung der Goldbestände. Gold-Weltmarktpreis würde dadurch stark ansteigen.

Die Schweiz hat die höchsten Pro-Kopf-Goldreserven. Doch das reicht vielen Menschen nicht.

Nun haben sich Goldhändler den letzten Novembersonntag im Kalender vorgemerkt. Er könnte sich als ein Tag erweisen, den die Edelmetallbranche nicht so schnell vergisst. Unter dem Motto "Rettet unser Schweizer Gold - Volksvermögen schützen" sind fünf Millionen Wahlberechtigte zu einer Volksabstimmung aufgerufen.

Anstieg des Goldpreises befürchtet

Die Fassade der Schweizerischen Nationalbank mit einem unscharfen Parkverbotsschild im Vordergrund.
Aktuell hält die SNB rund 7,5 Prozent ihrer Aktiva in Gold, das sind etwa 1040 Tonnen.
Dabei sollen sie abstimmen, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Goldreserven auf 20 Prozent aller Aktiva fast verdreifachen sowie sämtliche Goldbestände im Ausland heimholen muss und künftig kein Gold mehr verkaufen darf. Mit einem mehrheitlichen Ja würden die Eidgenossen nach Überzeugung von Experten die Lunte an den Weltmarktpreis für das Edelmetall legen.

Die SNB wäre nämlich gezwungen, in den kommenden fünf Jahren rund 1.800 Tonnen Gold aufzukaufen. "Diese Menge entspricht 67 Prozent der jährlichen globalen Goldförderung", rechnete die Neue Zürcher Zeitung ( NZZ) vor und warnte: "Der Goldpreis würde sofort anziehen."

Die zehn größten Goldhamsterer:

Gestapelte Goldbarren mit aufgeklebten Etiketten in einem Tresor.

Bundesbank holt Teil ihres Goldes zur Pruefung nac
Ein Goldbarren wird neben der Uniform eines Mitarbeiters der Deutschen Bundesbank gehalten.

FILE GERMANY ECONOMY GOLD RESERVES
Eine Hand mit Handschuh hält einen 1-Kilo-Goldbarren vor einem Stapel weiterer Goldbarren.

File photo of an employee displaying a bar of one
Mehrere Goldbarren liegen auf einem Tisch, während Personen im Anzug anwesend sind.

FILE GERMANY ECONOMY GOLD
Mehrere Stapel von Goldbarren liegen auf einer Palette.

File photo of gold bars on a table awaiting transp
Ein Stapel glänzender Goldbarren mit aufgeklebten Etiketten.

Bundesbank holt Teil der Goldreserven nach Hause
Eine Frau inspiziert Goldbarren in einem Tresorraum.

Goldreserven der Deutschen Bundesbank
Eine Hand in einem weißen Handschuh hält einen Goldbarren vor einem Stapel weiterer Goldbarren.

Goldpreis an «magischer Marke» von 1000 Dollar
Mehrere nummerierte Goldbarren sind auf einem Tisch gestapelt.

Bundesbank - Gold
Das Relief an der Oesterreichischen Nationalbank zeigt allegorische Figuren.

Christine Lagarde spricht bei den Jahrestagungen 2014 in Washington, D.C..

USA IMF WORLD BANK MEETINGS
Das Euro-Symbol steht vor beleuchteten Hochhäusern in Frankfurt bei Nacht.

The Illuminated euro sculpture is seen in front of

"Fundament jeder stabilen Währung"

Hohe Goldreserven, so behaupten die Initiatoren um den Politiker Lukas Reimann von der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), seien immer noch das "Fundament jeder stabilen Währung". Und sie schüren Ängste: "Die USA und die EU sind drauf und dran, Dollar und Euro in den Boden zu wirtschaften." Das bedrohe auch die Schweiz. "Je größer die Risiken, desto wichtiger ein ausreichender Gold-Notvorrat!"

Ein Plakat wirbt für eine „Gold Initiative“ und positioniert sich mit „Nein!".
A poster in favour of "No" vote for the "Save our Swiss gold" referendum is displayed before a news conference in Bern October 23, 2014. The Swiss franc has been a haven of relative calm in choppy currency markets in recent weeks, but a referendum next month on "saving" Switzerland's gold reserves could change all that. The November 30 vote, called by the right-wing Swiss People's Party (SVP), is aimed at preventing the Swiss National Bank from offloading its gold holdings. It would also require the central bank to bring back gold parked abroad and hold at least 20 percent of its assets in gold. REUTERS/Ruben Sprich (SWITZERLAND - Tags: POLITICS BUSINESS ELECTIONS COMMODITIES)
44 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage des Instituts Gfs. Bern erklärten Ende Oktober, sie wollten mit Ja stimmen. Nur 39 Prozent sagten Nein. Dabei hatten sich Regierung, Parlament und fast die gesamte Wirtschaft gegen die Initiative ausgesprochen.

Kritik an Initiative

"Sie ist gut gemeint, aber sie basiert auf einem grundlegenden Denkfehler", sagte SNB-Chef Thomas Jordan im Fernsehen. Die Nationalbank würde durch eine derartige Gold-Fixierung nicht mehr flexibel genug auf eine neue Finanzkrise reagieren können.

Allein die Möglichkeit, dass die Schweizer trotzdem zustimmen, hat den Franken erneut unter starken Aufwertungsdruck gesetzt. Der Euro sank gegenüber der Schweizer Währung auf die von der SNB als Untergrenze verkündete Marke von 1,20. Hält die Franken-Nachfrage an, muss sie erneut Milliarden für Eurokäufe aufwenden, um zum Schutz der Exportwirtschaft die Verteuerung der Landeswährung zu verhindern.

"Gold löst unüberlegte und irrationale Reaktionen aus"

Sollte die Initiative durchkommen, müsste die SNB obendrein bei Devisenkäufen stets ein Fünftel Gold dazukaufen, um den 20-Prozent-Anteil halten zu können. Ob solche Sachargumente am Ende den Ausschlag geben, bleibt abzuwarten. Gold löse bei vielen Menschen immer noch "unüberlegte und irrationale Reaktionen aus", sagte Sergio Rossi, Professor für monetäre Makroökonomie, der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Ähnliche Emotionen in Deutschland

Eine Hand hält einen glänzenden Goldbarren über andere Goldbarren.
National Councillor Lukas Reimann, member of the "Save our Swiss gold" committee, takes a fake gold bar after a news conference at the start of the campaign in Bern October 23, 2014. The Swiss franc has been a haven of relative calm in choppy currency markets in recent weeks, but a referendum next month on "saving" Switzerland's gold reserves could change all that. The November 30 vote, called by the right-wing Swiss People's Party (SVP), is aimed at preventing the Swiss National Bank from offloading its gold holdings. It would also require the central bank to bring back gold parked abroad and hold at least 20 percent of its assets in gold. REUTERS/Ruben Sprich (SWITZERLAND - Tags: POLITICS BUSINESS ELECTIONS COMMODITIES)
Das wäre vermutlich kaum anders, wenn die Deutschen per Referendum über ihre staatlichen Goldreserven entscheiden dürften. Gemessen an der Bevölkerung liegt Deutschland mit 41 Kilogramm auf 1.000 Einwohner zwar weit hinter der Schweiz, die über die weltweit höchsten Pro-Kopf-Goldreserven verfügt (130 kg/1.000 Einwohner). In Deutschland geht es jedoch ebenso emotional zu, wenn es um das Gold geht: "Holt unser Gold heim!", fordert eine Gruppe von Ökonomen, Bankern und Politikern.

20 Prozent der zurzeit 1.040 Tonnen eidgenössischen Goldes lagern bei der Bank of England, 30 Prozent bei der kanadischen Zentralbank. Kommt die Goldinitiative durch, müssten künftig sämtliche Vorräte im Alpenland gebunkert werden.

Von den 3.387 Tonnen der Deutschen Bundesbank - absolut der zweitgrößte Goldschatz nach dem der USA - lagern mehr als 40 Prozent bei der US-Notenbank, 13 Prozent in London und elf Prozent in Paris. Auf Druck der Politik, aber auch des Bundesrechnungshofes muss die deutsche Notenbank Tausende Barren heimholen.

Aus gutem Grund soll aber insgesamt nicht mehr als die Hälfte der deutschen Bestände in der Bundesrepublik gelagert werden. Es sei wichtig - so Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele -, Gold an internationalen Handelsplätzen für Edelmetall zu halten, um es "im Fall der Fälle" rasch als Währungsreserve verfügbar zu haben.

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