Voith gehört seit 1904 zu den größten Arbeitgebern in St. Pölten.

© APA/PAUL PLUTSCH

Sparkurs
02/02/2015

Voith schließt St. Pöltener Papiermaschinenwerk

In der niederösterreichischen Hauptstadt fallen 150 Jobs weg. Auch deutsche Voith-Werke bauen Personal ab.

Der deutsche Maschinenbaukonzern Voith stellt die Papiermaschinenaktivitäten von Voith Paper in St. Pölten ein. Dadurch fallen 150 Stellen an dem Standort weg, teilte das Unternehmen am Montag mit. Am Wochenende hatte die Gesellschafterversammlung, in der die Nachfahren des langjährigen Patriarchen Hanns Voith vertreten sind, getagt und einen weitreichenden Umbau des Konzerns in die Wege geleitet. Insgesamt werden in Deutschland und Österreich rund 800 Stellen in der Papiermaschinensparte gestrichen.

Neben St. Pölten sind auch die deutschen Voith-Paper-Standorte in Krefeld und Neuwied mit einem Abbau von 200 Stellen betroffen. Am Standort Heidenheim sollen rund 300 Stellen wegfallen, in Ravensburg insgesamt 150 Stellen.

Das Marktvolumen für Neuanlagen und Großumbauten in der Papierindustrie habe sich deutlich verringert, heißt es vom Konzern. Bereits vor zwei Jahren hatte Voith deshalb knapp 1.000 Stellen in der Papiermaschinenherstellung gestrichen. Nun werden weitere Kapazitäten gebündelt und reduziert - auch die Verwaltung ist betroffen.

Sozialplan

Am 31. März 2016 ist das Produktionsende im Bereich Walzenbau geplant, sagten die Geschäftsführer Bernd Stibi und Bettina Probst. Der Mitarbeiterabbau soll auf Basis des existierenden Sozialplans erfolgen. Wie bei der jüngsten Umstrukturierung gehe es dabei u.a. um Frühpensionierungen oder Altersteilzeit. Man werde sich bemühen, so sozialverträglich wie möglich vorzugehen, das sei in der Vergangenheit auch gelungen, hieß es. Die vorhandenen Aufträge würden abgewickelt. Voith Paper St. Pölten zähle aktuell 200 Beschäftigte. Für 50 davon gebe es Transferangebote, wobei die Betroffenen allerdings großteils übersiedeln müssten.

Mit Voith Hydro und Turbo, die aktuell 280 bzw. 50 Beschäftigte zählen, bleibe der Standort erhalten, wurde betont.

Konzernumbau

Der Umbau des Voith-Konzerns betrifft nicht nur den Papier-Bereich. Die Sparte Industriedienstleistungen soll abgestoßen werden, um nach eigenen Angaben die Weichen für das digitale Zeitalter und die "Industrie 4.0" zu stellen. Vom Verkauf des Konzernbereichs sind weltweit rund 18.000 Mitarbeiter betroffen, fast die Hälfte aller Voith-Beschäftigten. Für Voith Industrial Services, das einen "profitablen Umsatz" von rund 1,2 Mrd. Euro erlöste, solle "ein werterhaltender Verkaufsprozess" angestoßen werden, teilte der Konzern mit. Der CEO dieses Geschäftsbereiches, Martin Hennerici, werde das Unternehmen "auf eigenen Wunsch" verlassen. Ihm folge Markus Glaser-Gallion nach, bisher für den Bereich Automotive verantwortlich.

AK empört: "Gewinnbringende Sparte dicht gemacht"

AKNÖ-Präsident Markus Wieser reagiert empört auf die Pläne des Voith-Konzerns, die Sparte Paper in St. Pölten zu schließen. Dort seien zuletzt substantielle Gewinne erwirtschaftet worden: "Eine Sparte, die Gewinne schreibt abzudrehen und derart viele Mitarbeiter vor die Türe zu setzen, ist unverfroren."

Wieser und Betriebsrat Hans Joachim Haiderer standen seit Längerem in engem Kontakt im Interesse der Beschäftigten. "Wir wurden heute vor Tatsachen gestellt, wo noch Gespräche geführt werden", sagt Haiderer. Es wird nun versucht, diese gravierenden negativen Auswirkungen noch positiv beeinflussen zu können.

Der Fall gleicht der KBA in Mödling, wo eine seit Jahren gewinnbringende Sparte ebenfalls dicht gemacht und nach Deutschland transferiert wurde. Es ist zu hinterfragen, welche wirtschaftlichen Begünstigungen im Nachbarland solche Schritte unterstützt haben. Wieser erneuert daher seine Forderung nach einem gesamtpolitischen Industrie-Konzept, um hierzulande neue Stellen zu schaffen.

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