Die FMA schaut der kleinen Bank auf die Finger

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
12/28/2021

Versicherer weiter gut kapitalisiert, aber Niedrigzinsumfeld belastet

Finanzmarktaufsicht: Unsicherheiten wegen Coronapandemie bleiben.

Die heimischen Versicherer sind laut Finanzmarktaufsicht (FMA) nach wie vor gut kapitalisiert, leiden aber unter dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld. "Die niedrigen Zinsen senken die Erträge bei der wichtigsten Anlageform, den Anleihen, erhöhen die Verbindlichkeiten und drücken massiv auf die Solvabilitätsquoten", so die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Eduard Müller laut einer Aussendung vom Dienstag. Auch die Coronakrise sei weiterhin ein wichtiger Werttreiber.

Immer noch Unsicherheiten

Das heurige Jahr sei zwar von einem Aufschwung an den Finanzmärkten und einer Beruhigung der Realwirtschaft geprägt gewesen. Dennoch gebe es immer noch Unsicherheiten aufgrund der Pandemie, weswegen sich die endgültigen Folgen noch nicht komplett abschätzen ließen, schreibt die FMA in dem Bericht zur Lage der Versicherungswirtschaft für 2021.

Im europäischen Vergleich sei die Eigenkapitalausstattung der österreichischen Versicherer aber gut. Am Ende des ersten Halbjahres 2021 lag die Solvabilitätsquote der heimischen Versicherer im Median bei 221 Prozent, das heißt, dass mehr als die Hälfte aller Versicherer über doppelt so viel Eigenmittel verfügt wie aufsichtsrechtlich nötig wären. Die Quote liege damit noch nicht wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie (Quote Ende 2019: 230 Prozent), konnte sich aber im Vergleich zu 2020 (216 Prozent) bereits wieder erholen. Auch bei der Kreditqualität der Portfolios gebe es aktuell keine Verschlechterungen zu sehen.

Niedrigzinsumfeld

Die niedrigen Erträge aus Anleihen-Veranlagungen schlagen jedoch auf die Anlagestrategien der Versicherer durch. In den vergangenen Jahren sei der Anteil an Anleihen im Anlage-Portfolio der Versicherer rückläufig gewesen. Dagegen werde zunehmend in alternative Assetklassen wie Immobilien, Beteiligungen, oder Aktien investiert. Der Anteil an Fondsinvestments blieb indessen in den vergangenen Jahren weitgehend unverändert.

Neben dem Niedrigzinsumfeld und der Coronakrise müssen sich auch Versicherer zunehmend mit Nachhaltigkeitsrisiken - insbesondere höher ausfallenden Schäden aufgrund von Naturkatastrophen, aber auch Transitionsrisiken - auseinandersetzen. Die FMA hat im Rahmen eines Klima-Stresstests ermittelt, wie sich ein Schockszenario auf von Versicherern gehaltene Aktien und Unternehmensanleihen auswirken würde.

Angenommen wurde, dass die aktuellen Maßnahmen zum Klimawandel beibehalten werden und es daher 2030 zu einem Maßnahmenschock kommt, damit die Klimaziele bis 2100 erreicht werden können. Bei den Aktien würde das zu möglichen Wertverlusten von bis zu 185 Mio. Euro - das sind minus 2,2 Prozent auf das analysierte Aktienportfolio - führen, bei Unternehmensanleihen wären es bis zu 113 Mio. Euro Wertverlust (minus 0,4 Prozent). Insgesamt haben die Versicherer Aktien und Unternehmensanleihen im Wert von 38 Mrd. Euro im Bestand.

Generell sei die heimische Versicherungswirtschaft im internationalen Vergleich stärker in für Klimarisiken kritischeren Branchen wie elektrische Energie, Stahl, Erdöl oder Erdgas investiert. Innerhalb der Branchen werde allerdings überproportional in Unternehmen mit weniger umweltschädlichen, CO2-armen Technologien veranlagt, schreibt die FMA.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.