Geld macht satt – es für sich arbeiten zu lassen, rentiert sich ab einer gewissen Höhe jedenfalls außerordentlich.

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Julius-Bär-Studie
10/03/2014

Vermögen ist in Österreich extrem ungleich verteilt

Ein Prozent besitzt zwei Fünftel des Gesamtvermögens. Nirgendwo sonst in Europa ist die Konzentration so geballt.

Das Vermögen in Europa wächst – und ist immer ungleicher verteilt. Reiche Haushalte besitzen einen immer größeren Teil des gesamten Vermögens, in Österreich und Deutschland ist die Konzentration noch stärker als sonst wo in Europa.

In Österreich sind 40 Prozent der gesamten Privatvermögen im Besitz des reichsten ein Prozent der Bevölkerung, zeigt der erstmals publizierte "Wealth Report Europe" der Schweizer Privatbank Julius Bär; in Deutschland sind es 35 Prozent. Am niedrigsten ist die Konzentration im Vereinigten Königreich, Griechenland und den Niederlanden, wo 15 Prozent oder weniger der gesamten Privatvermögen im Besitz des "obersten" Prozent sind.

Die Peripherie verliert

2013 sind die privaten Vermögen in Europa gegenüber 2012 um 1,7 Prozent auf insgesamt 56 Billionen Euro gewachsen und haben damit zum ersten Mal den Höchststand von vor der Finanzkrise übertroffen. Die Entwicklung der Vermögen ist jedoch seit der Finanzkrise sehr unterschiedlich verlaufen. Während in Deutschland, Österreich, Frankreich aber auch in der Schweiz das Gesamtvermögen um bis zu zwei Drittel gewachsen ist, ist es in Großbritannien, Italien, Spanien und Griechenland zum Teil deutlich geschrumpft.

Das hat auch zu einer verstärkten Konzentration der Vermögen innerhalb Europas geführt. Während in den Kernländern das gesamte private Kapital angewachsen ist, ist es in den Ländern der Peripherie gesunken. Zwei Drittel aller europäischen Vermögen liegen heute in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.

Unterschiedlich verteilt sind jedoch nicht nur die Vermögen zwischen den einzelnen Ländern, sondern auch zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So besitzen laut der Studie die reichsten 10 Prozent der europäischen Haushalte mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens in Europa. Die höchsten Vermögenskonzentrationen weisen dabei wie schon erwähnt Österreich, Deutschland, aber auch Zypern und die Schweiz auf.

Geldpolitik läuft ins Leere

Ein Grund für die unterschiedlichen Konzentrationsraten sind dem Report zufolge die Differenzen bei der Erbschaftssteuer. Während Österreich, Zypern aber auch die Schweiz Erbschaften kaum oder nur sehr gering besteuern, müssen Erben in Großbritannien, Spanien und Frankreich bis zu 45 Prozent des vererbten Vermögens an den Staat abliefern.

Der hauptsächliche Treiber der Vermögenskonzentration in Europa seien jedoch nicht Gesetze sondern der Kapitalmarkt, sagte Studienmitautor Robert Ruttmann. "Vermögen haben sich vor allem darum weiter konzentriert, weil die Kapitalrenditen über dem Wirtschafts- und Lohnwachstum liegen." Geld anzulegen ist demnach profitabler, als zu arbeiten. Dabei mitgeholfen haben laut Ruttmann die Interventionen der Notenbanken. Das billige Geld habe weniger die Wirtschaft, denn die Vermögen wachsen lassen. "Die Geldpolitik der letzten Jahre hat nur teilweise funktioniert."

Laut Studienmitautor Burkhard Varnholt wird das jedoch die europäischen Staaten vor Probleme stellen. Ohne ausgeglichene Vermögensverteilung gebe es nämlich kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Bis 2019 sagt die Studie ein weiteres Anwachsen der europäischen Vermögen um 40 Prozent voraus.

Zur Zusammenfasung der Julius-Bär-Studie

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