USA: Die Häuser der Krise

Verlassene Häuser als Sinnbild für den Zustand einer mehr als nur wirtschaftlich angeschlagenen Nation.

Ein verlassenes Haus im Norden Detroits im Dämmerlicht - gespenstisch und anmutig zugleich. Diese "abandoned homes" sind ein Zeichen dafür, wie sehr die Weltmacht USA derzeit mit sich zu kämpfen hat. Nicht fertiggestellt, zerstört, verlassen, unbewohnt: Abertausende Häuser dienen heute als Mahnmal der schwersten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren. Ein zerschlissenes, weißes Sofa im Vorgarten eines Rohbaus (in Davie, Florida): Vielerorts erobert sich die Natur den Raum zurück. Zwischen 2005 und 2011 gab es allein in Detroit, der größten Stadt Michigans, mehr als 70.0000 "Foreclosures" (also den Verfall des Hauses bzw. Grundstücks an den Gläubiger). Oder Youngstown (Ohio). In der gleichnamigen Hymne sang Bruce Springsteen 1995 über den Niedergang der US-Stahlindustrie, der in den 1970er Jahren den "Rust Belt" heimsuchte. Heutzutage trifft "der Boss" mit gesellschaftskritischen Liedern erneut den Nerv der Zeit. Aber es wäre nicht Amerika, wenn die Bewohner der arg gebeutelten Region nicht an eine neue Blütezeit glauben würden. Wie kam es eigentlich zu der Misere? Die US-Notenbank senkte in den Nuller Jahren die Leitzinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln, Geld wurde immer billiger und günstige Kredite noch leichter zu haben. "Refinance your loan" (refinanziere deinen Kredit) wurde zum Slogan. Der Wunsch vieler Amerikaner nach einem eigenen Haus wurde von der Bush-Regierung gefördert. So gaben Banken auch Verbrauchern mit geringer Kreditwürdigkeit und ohne solide finanzielle Basis bereitwillig Kredit. Bis die Blase irgendwann platzte, das System kollabierte. Neben mit Fabriksschließungen einhergehende Arbeitsplatzverluste verstärkten etwa auch Verstädterung oder Überalterung die Problematik. Buffalo (Bundesstaat New York) hat heute etwa halb so viele Einwohner wie in den 1950er Jahren. Vor allem die Verschandelung der verwaisten Häuser mit Graffiti etc. wurde zum Problem. In Brightmoor, Detroit (Michigan) wurde es den Menschen zu viel. Mit einer Wandmalerei vor einem leerstehenden Haus protestierte die Nachbarschaft gegen die Verschandelung der Wohngegend. Und ebenfalls in Detroit haben bereits 2010 zwei Künstler dieses Häuschen mit Eis verkleidet, um auf die Immobilien-Misere aufmerksam zu machen. Doch nicht immer war in den vergangenen Jahren die Immobilienkrise am Zustand der Häuser schuld, der Mensch aber dennoch oftmals involviert, wie folgende Beispiele zeigen... Oben der glänzende Vollmond, unten die verseuchte Stadt. Giftiger Staub durch jahrelangen Blei-Abbau haben Picher (Oklahoma) zu einer Geisterstadt werden lassen. Surreal erscheint dieser Ort, als ob es sich um eine extra ausgeleuchtete Filmkulisse handeln würde. Dabei war es Naturgewalt Katrina, die 2005 dieses Haus am Stadtrand von New Orleans so zurückließ. Diese hochpreisigen Immobilien an der Golfküste stehen trotz der exklusiven Strandlage leer. Das Areal wurde nach der Explosion der Ölbohrinsel Deepwater Horizon im April 2010 gesperrt. Und letztlich hat Hurrikan Sandy im Herbst 2012 nicht nur dieses Haus in Shinnecock Bay in Southampton (New York) unbewohnbar gemacht. Ein Aufwind ist zu spüren, allerdings werden in den USA immer noch nur rund ein Viertel so viele Eigenheime verkauft wie im Juli 2005, hieß es Ende 2012. Auch in etlichen europäischen Ländern schlug die Immobilienkrise heftig zu, wie hier in Irland. Auch Spanien leidet massiv unter einer Immobilienkrise, deren Ende nicht abzusehen ist. 2011 ging für die Baubranche als das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten in die Annalen ein. Spanien hatte zuvor einen Bauboom erlebt, mit einem Anstieg der Immobilienpreise um 150 Prozent. Die Baubranche stieg zeitweise zum wichtigsten Sektor der Wirtschaft auf - noch vor dem Tourismus. Doch der Boom war überwiegend auf Pump finanziert. Noch immer gelten die Immobilien als überbewertet.

Mehr als fünf Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten voll ausbrach und die Finanzkrise auslöste.

(KURIER) Erstellt am
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