Wirtschaft
20.06.2018

Ungarischer Forint auf Talfahrt

Die Währung des Nachbarlandes schwächte sich auf ein Jahrestief ab. Ungarische Notenbank sendet nun Signale für Stärkung.

Der Wert der ungarische Währung gegenüber dem Euro ist in den vergangenen Wochen auf den tiefsten Stand in diesem Jahr gefallen. Bewegte sich der Kurs in den ersten vier Monaten des Jahres um den Wert von 310 Forint für einen Euro, so fiel er in den vergangenen Tagen bis auf 325.

Das Beharren der ungarischen Nationalbank auf einer Politik des billigen Geldes hat die Nationalwährung nicht gerade unterstützt. Die ersten Signale der Notenbank am Dienstag, in absehbarer Zeit von dieser Linie abzugehen, haben vorerst einen weiteren Wertverlust verhindert.

Die Krise wurde vor allem von der Zinserhöhung auf dem US-amerikanischen Markt ausgelöst, die die Risikobereitschaft der Investoren abschwächte, sagte die Analystin der Erste Bank in Ungarn, Orsolya Nyeste, gegenüber der APA. Die Anleger hätten die Geldpolitik der ungarischen Notenbank offensichtlich als zu riskant eingestuft. In der vergangenen Woche hatte ein Notenbank-Sprecher noch einmal bestätigt, dass die Ungarische Nationalbank den eingeschlagenen Weg des billigen Forint nicht ändern wolle, was zur rasanteren Abschwächung der Währung führte.

Einkaufstourismus angekurbelt

Im Prinzip sollte der billige Forint den Export Ungarns unterstützen. Die in Ungarn hergestellten Produkte und Dienstleistungen haben aber einen hohen Importanteil, daher wirkt sich die schwache Nationalwährung nicht unbedingt positiv auf die Ausfuhren aus. Einen positiven Effekt dürfte man in den Grenzregionen zu Österreich und der Slowakei erleben, wo der starke Euro den Einkaufstourismus in Ungarn ankurbeln sollte.

Die ungarische Nationalbank hat mehrmals angekündigt, kein Kursziel zu verfolgen. Sollte das Inflationsziel aber in Gefahr geraten, dürfte die Bank Maßnahmen ergreifen, meinte die Expertin der Bank.

Bei einer Sitzung des Monetären Rates der Nationalbank am Dienstagnachmittag wurde der Leitzinssatz von 0,9 Prozent beibehalten. Aus einer Mitteilung, die eine Stunde später ausgegeben wurde, könnte man aber erste Zeichen einer Änderung der Haltung herauslesen. Darin ist nämlich die Rede von einer Beibehaltung der Geldpolitik für ein weiteres Jahr, nicht aber wie früher für 5 bis 8 Quartale. Dieses kleine Signal reichte aus, um den Kurs der ungarische Währung von 325 auf 323 Forint gegenüber dem Euro anziehen zu lassen.