Unfallserie zwingt General Motors zu Mega-Rückruf
Das Rückruf-Fiasko bei General Motors ( GM) erreicht neue Ausmaße: 3,36 Millionen weitere Autos auf dem nordamerikanischen Markt beorderte die Opel-Mutter am Montag in die Werkstätten zurück. Erneut waren Zündschloss-Probleme der Grund. Sie haben nach Konzernangaben zumindest zu acht Unfällen mit sechs Verletzten geführt.
Zündschloss
Die Zündschlösser habe derselbe Ingenieur entwickelt, der bereits nach einem früheren ähnlichen Rückruf von 2,6 Millionen Wagen entlassen wurde. Hier kann der Defekt zur Folge haben, dass sich Motor und elektrische Systeme auch bei hohem Tempo unvermittelt abschalten. Er wird mit mindestens 13 tödlichen Unfällen in Verbindung gebracht.
Probleme seit Jahren bekannt
Allein wegen Zündschloss-Problemen hat GM heuer insgesamt 6,5 Millionen Wagen zurückbestellt. Insgesamt startete der Konzern 44 Rückrufe weltweit, die rund 20 Millionen Autos betrafen. Die Zahl ist höher als der jährliche Fahrzeugabsatz in den USA. Trotzdem erzielte GM auf dem Heimatmarkt im Mai so viele Verkäufe wie seit August 2008 nicht mehr.
Im vergangenen Monat akzeptierte GM wegen der verspäteten Rückrufe die Zahlung einer Geldstrafe von 35 Millionen Dollar an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Außerdem wurden Dutzende Schadenersatzklagen gegen den Konzern eingereicht. Hier könnten GM Milliardenzahlungen drohen.
15. Jänner: Die GM-Firmenveteranin Mary Barra wird Chefin. Sie ist die erste Frau, die einen Autokonzern führt
13. Februar: GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die "Aus"-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.
25. Februar: GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten.
12. März: Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten. Es gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein.
29. März: GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl alleine für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.
31. März/2. April: Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der defekten Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.
10. April: Es kommt zu ersten personellen Konsequenzen. Zwei Ingenieure werden beurlaubt. Es folgt eine Neuaufstellung der Entwicklungsabteilung. Mehrere Manager gehen.
24. April: GM erleidet einen Gewinneinbruch, nachdem sich die veranschlagten Kosten für die Reparaturen im ersten Quartal auf 1,3 Mrd. Dollar (960,7 Mio. Euro) summiert hatten.
16. Mai: General Motors muss 35 Mio. Dollar an Strafe zahlen. Die Verkehrssicherheitsbehörde sieht es als erwiesen an, dass der Autobauer sie zu spät über die Zündschloss-Probleme informiert hat.
5. Juni: GM legt einen Untersuchungsbericht vor, der zahlreiche Schlampereien auflistet. 15 Mitarbeiter werden gefeuert. Barra verneint aber eine bewusste Vertuschung der Fehler. Opfer sollen entschädigt werden.
13. Juni: GM warnt vor Zündschloss-Problemen bei einer halben Million weiterer Wagen.
16. Juni: GM ruft 3,4 Millionen Limousinen wegen problematischer Zündschlösser in die Werkstätten. Nun sind 20 Millionen Wagen insgesamt von 44 Rückrufen betroffen. Die veranschlagten Kosten klettern auf 2 Mrd. Dollar (1,48 Mrd. Euro).
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