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Wirtschaft
08/23/2019

Unerwartete Brexit-Folgen: Kommt nun die irische Butterschwemme?

Der Brexit Ende Oktober sorgt bereits für härtere Konkurrenz bei Produkten aus der Landwirtschaft.

von Andreas Anzenberger

Der Brexit wirft seinen Schatten voraus. Bauernbundpräsident Georg Strasser beklagt einen „steigenden Preisdruck bei Butter und bei Rindfleisch“. Auch wenn es derzeit noch keinen Butterberg gibt. Milch, Käse und Rindfleisch sind Hauptprodukte der irischen Landwirtschaft.

Faktum ist, dass sich die irischen Bauern auf einen harten Brexit vorbereiten. Sie suchen innerhalb der EU neue Märkten für Agrarprodukte. Derzeit liefert Irland vor allem Rindfleisch und Milchprodukte nach Großbritannien. Von den 480.000 Tonnen Käse und 90.000 Tonnen Butter die von EU-Staaten nach Großbritannien geliefert werden, kommt ein Gutteil aus Irland. Ob das auch in Zukunft so sein wird, ist ungewiss.

Daher sind die Agrarproduzenten der Grünen Insel auch in Österreich aktiv. Im Lebensmitteleinzelhandel wird irische Butter angeboten. Nicht nur im Billigsegment, sondern auch im Premiumsegment. Butter aus dem Ausland ist derzeit noch eine Ausnahme. Die Handelskette Spar lässt die Butter für die Eigenmarke Marke S-Budget in Bayern herstellen. Strasser befürchtet, dass bei einem harten Brexit mehr Agrarprodukte wie Butter oder Rindfleisch importiert werden. Denn die Iren werden mit ihren Agrar-Produkten im gesamten EU-Markt den Preisdruck erhöhen.

Grüne Insel

Die Grüne Insel ist eine sogenannte Gunstlage. Eine irische Kuh steht 300 Tage im Jahr auf der Weide. In Österreich ist das nicht möglich. Diesen Produktionsnachteil können die heimischen Bauern nicht aufholen. Dazu kommt, dass Irland nach dem Auslaufen der Milchquote die Milchproduktion massiv erhöht hat. Schon allein deswegen wird nach neuen Märkten gesucht.

Ein Argument für Milch aus heimischer Produktion ist laut Strasser die gute Umweltbilanz. Irland kann allerdings mit ähnlichen Werten aufwarten.

Der Wert der gesamten Exporte Österreichs nach Großbritannien beträgt über vier Milliarden Euro. Auf den Agrarbereich entfallen davon etwa fünf Prozent.

Rund die Hälfte dieser Agrarexporte gehören in die Kategorie Limonaden, Energydrinks und Eistee. Dahinter steht vor allem Red Bull. Der Energiedrink-Erzeuger ist nicht nur in Großbritannien, sondern in vielen Auslandsmärkten der größte Agrarexporteur Österreichs.