T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth

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Andreas Bierwirth
12/11/2016

T-Mobile Boss Bierwirth weiter im Steigflug

Andreas Bierwirth ist als Chef von T-Mobile bis 2020 verlängert. Seine Karriere dürfte weiter im Steigflug sein.

Als er vor vier Jahren aus dem Vorstand der AUA flog, schien seine kurze und steile Karriere auch schon wieder beendet zu sein. Niemand hätte damals darauf gewettet, dass sich der freundliche, oft etwas bubenhaft wirkende Deutsche von diesem Absturz so bald wieder erholen würde.

Es sollte ganz anders kommen. Inzwischen gilt Andreas Bierwirth, 45, karrieretechnisch als einer der Überflieger in der österreichischen Business-Community. Noch im selben Jahr holte ihn der damalige Konzernboss der Deutschen Telekom, René Obermann, als Chef der Österreich-Tochter T-Mobile Austria an Bord. Mit einem Fünf-Jahres-Vertrag, was in der sich rasant verändernden Telekom-Industrie eher ungewöhnlich lange ist.

Am vergangenen Mittwoch wurde Bierwirths Vertrag als CEO von T-Mobile bis Ende 2020 verlängert. Obermanns Nachfolger als Konzernchef, Tim (Timotheus) Höttges, dürfte mit Bierwirth noch einiges vorhaben. Im November berief er seinen Österreich-Chef in den Aufsichtsrat der Telekom Deutschland, der großen Schwester von T-Mobile Austria. Deutschland ist im Konzern immerhin die umsatzstärkste Landesgesellschaft. Dafür legt Bierwirth sein Mandat im Aufsichtsrat der polnischen Telekom-Tochter zurück.

Die Deutsche Telekom gehört zu den Big Playern in Europa. Knapp 70 Milliarden Konzernumsatz, in mehr als 50 Ländern präsent, mehr als 225.000 Mitarbeiter. Österreich ist vom Umsatz her zwar kein Riese in der Gruppe, rangiert aber bei der Performance hinter der börsenotierten Mehrheitsbeteiligung T-Mobile USA im Konzern auf Platz zwei. Während der heimische Marktführer, die teilstaatliche Telekom Austria, seit Jahren mit sich selbst beschäftigt ist, schaffte es Bierwirth, ohne viel Wind zu machen Ertragskraft und Renditen zu steigern. Bei viel Wertschätzung unter den Mitarbeitern.

Kein Wunder, dass Bierwirth als Top-Favorit für die Holding-Spitze der Telekom Austria (TA)gehandelt wurde. Spätestens als sich das Hauen und Stechen um den Argentinier Alejandro Plater, Statthalter des mexikanischen Mehrheitsaktionärs America Movil, zuspitzte. Geschickt nutzte Bierwirth bei den Großkunden das Führungsvakuum bei A1, der Österreich-Tochter und Kerngesellschaft der TA. Nach dem Abgang von TA-Chef Hannes Ametsreiter war der Chefjob bei A1 verwaist und wurde erst auf Drängen von Finanzminister Hans Jörg Schelling im Juni mit Margarete Schramböck nachbesetzt.

Vor allem in der SPÖ galt der Deutsche als Wunschkandidat für die TA-Spitze. In den vergangenen Wochen jedoch haben sich die Diskussionen auf Eigentümerebene um Plater wieder beruhigt. Und Bierwirth wurde konzernintern derart aufgewertet, dass ein allfälliger Wechsel in die Holding der Telekom-Austria wohl wenig herausfordernd wäre.

Eine späte Bestätigung seiner Qualitäten als Airline-Manager war die Berufung (als Non Executive Director) ins neunköpfige Board der Billig-Airline easyJet. In einem KURIER-Karrieren-Interview sprach Bierwirth von einem "Ritterschlag". Der britische Low-Cost-Carrier befördert mit mehr als 250 Flugzeugen mehr als 70 Millionen Passagiere.

Die AUA dürfte zumindest ein gutes Training in Sachen Intrigen gewesen sein. Bierwirths Pech war, dass nach dem Abgang des Österreichers Wolfgang Mayrhuber als Konzernchef ausgerechnet ein alter Rivale,mit dem er sich schon zuvor bei der Lufthansa gematcht hatte, zum Kreis der Getreuen von Mayrhubers Nachfolger Carsten Spohr aufrückte. Dass Bierwirth zuvor die Regionalflugtochter Germanwings zur Billig-Airline (heute Eurowings) umgebaut hatte und mit der Sanierung der AUA ebenfalls gut unterwegs war, zählte wenig.

Fliegen ist nach wie vor die große Leidenschaft des Unternehmersohnes, der mit 14 erstmals in einem Segelflugzeug saß und eine Ausbildung als Berufspilot absolvierte. Heute noch pilotiert Bierwirth in seiner Freizeit im Dienste eines Bedarfsflugunternehmens eine Cessna Citation und fliegt für Geschäftsleute, Stars und reiche Private um die Welt.

Eine weitere Verbindung gibt’s zur Luftfahrt. Airline-Caterer Attila Dogudan, Gründer und Chef von DO&CO, holte Bierwirth heuer in den Aufsichtsrat des börsenotierten Gourmetkonzerns. Für die Staatsholding Öbib kontrolliert Bierwirth als Aufsichtsrat den Glücksspielkonzern Casinos Austria. In Deutschland sitzt der Überflieger auch noch im Aufsichtsrat der Lindner-Hotelgruppe, die 33 Häuser betreibt.