Wirtschaft
15.08.2018

Türkei erhöht Einfuhrzölle auf Autos und Alkohol aus den USA

Für Pkw werde der Zoll auf 120 Prozent verdoppelt, bei alkoholischen Getränken auf 140. Die Lira erholt sich.

Die Türkei hat im Streit mit den USA über das Festhalten des US-Pastors Andrew Brunson die Einfuhrzölle auf bestimmte US-Produkte drastisch erhöht. Darunter seien Pkw, Alkoholika und Tabak, berichtete die "Resmi Gazete", das Amtsblatt der Türkei, am Mittwoch.

Für Pkw werde nach einem von Präsident Recep Tayyip Erdogan unterzeichneten Dekret der Zoll auf 120 Prozent verdoppelt, bei alkoholischen Getränken auf 140 und bei Tabak auf 60 Prozent. Auch für andere Waren gelten demnach künftig höhere Zölle, darunter für Kosmetika, Reis und Kohle. Bereits am Dienstag hatte Erdogan als Reaktion auf eine Anhebung der Zölle durch die USA Sanktionen gegen den US-Konzern Apple angekündigt. "Wir werden einen Boykott über elektronische Produkte aus den USA verhängen", sagte er.

Das Verhältnis zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA ist wegen verschiedener Themen angespannt. Zugespitzt hat sich der Streit wegen des Falles Brunson. Da der Pastor nicht ausreisen darf, hat Trump die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt. Türkische Ermittler werfen Brunson Verbindungen zu dem in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen vor, der nach Darstellung der Regierung in Ankara hinter dem Putschversuch vor zwei Jahren steckt.

Die USA hatten am Dienstag mit weiterem wirtschaftlichen Druck gedroht, sollte Brunson noch länger festgehalten werden. Sollte sich hier in den kommenden Tagen oder in der nächsten Woche nichts ändern, würden die USA zusätzliche Maßnahmen einleiten, sagte ein Vertreter des US-Präsidialamtes der Nachrichtenagentur Reuters.

Lira macht Boden gut

Die türkische Lira geht auf Erholungskurs: Der Dollar verbilligte sich am Mittwoch um sieben Prozent auf 5,89 Lira. Zu Wochenbeginn hatte der Greenback noch ein Rekordhoch von 7,24 Lira verbucht.

Aus Sicht von Damien Buchet, Stratege beim Anlagehaus Finisterre Capital, hält die Türkei das Steuer in der Krise noch selbst in der Hand. "Eine glaubwürdige politische Wende würde den negativen Entwicklungen höchstwahrscheinlich ein Ende setzen", erklärt der Experte. Eine Fortsetzung der bisherigen Politik dürfte den Banken-und Unternehmenssektor jedoch zunehmend belasten.