Prager Jung-Milliardär bringt Rüstungskonzern CSG an Börse

FILE PHOTO: Michal Strnad, Chairman and owner of Czechoslovak Group, poses for a photo in Prague
Neue Konkurrenz für deutsche Rheinmetall & Co, weitere Expansion des tschechischen Konzerns ist geplant - etwa im lukrativen Drohnenbereich

Michal Strnad erbte den Rüstungskonzern 2018 von seinem Vater Jaroslaw, der Mitte der 1990er-Jahre mit Altmetall von ausrangierten Panzern aus Sowjet-Beständen zu handeln begonnen hatte. Heute ist die CSG (Czechoslovak Group) mit Sitz in Prag laut Forbes der viertgrößte Munitionshersteller Europas, baut aber auch gepanzerte Militärfahrzeuge oder Radargeräte und expandiert in das Geschäft mit Flugzeugtriebwerken.

Mit einem geschätzten Vermögen von rund 14 Milliarden Euro gehört der erst 33-Jährige Michal Strnad bereits zu den reichsten Tschechen. Und ab Freitag, dem Tag der geplanten Erstnotiz der CSG an der Börse Amsterdam, fließen dem bisherigen Alleineigentümer des Unternehmens weitere drei Milliarden Euro zu. Dafür verkauft er 15 Prozent seiner Aktien unter anderem an den Staatsfonds von Katar oder an BlackRock, den weltweit führenden Vermögensverwalter aus den USA. Knapp 800 Millionen Euro aus dem Erlös des Börsengangs fließen in das Unternehmen für die weitere Expansion und Zukäufe etwa im Drohnen-Bereich.

Große Pläne

In einem seiner seltenen Interviews sagte der öffentlichkeitsscheue Milliardär Ende 2025 zu Bloomberg: „Ich möchte CSG zum größten Rüstungskonzern Europas machen, der vollständig vertikal in globale Märkte integriert ist.“ Und argumentierte: „Keiner unserer Konkurrenten ist so diversifiziert, so exportorientiert und nicht auf die große Armee seines eigenen Landes für Aufträge angewiesen. Das ist unser Vorteil.“

Gemeint ist etwa die deutsche Konkurrenz von Anbietern wie Rheinmetall, Renk oder Hensoldt, deren Aktien allesamt auf Rekordniveau gehandelt werden und wie nie zuvor am Rüstungsboom in Europa verdienen.

Aber auch CSG ist hochprofitabel und hat seinen Umsatz seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges vervielfachen können. Massiv profitiert hat CSG unter anderem von der Beschaffung von Artilleriegeschossen für die Ukraine durch die tschechische Regierung.

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Im Dezember hieß es seitens des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI, dass CSG 2024 den stärksten prozentualen Umsatzanstieg aus dem Waffenverkauf unter den 100 weltweit größten Rüstungsunternehmen erzielen konnte. Heuer peilt CSG einen Umsatz in Höhe von 7,4 bis 7,6 Milliarden Euro an (2025: 6,4 Milliarden Euro). Produziert wird in 39 Werken vor allem in der EU und in den USA, Strnad beschäftigt rund 14.000 Mitarbeitende. Ab 2027 will der Konzern 30 bis 40 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausschütten.

Zum Vergleich: Die börsenotierte Rheinmetall AG, der führende deutsche Rüstungskonzern, sitzt heute auf einem Auftragspolster von jenseits der 60-Milliarden-Euro-Grenze. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern beschäftigt 42.000 Leute an 176 Standorten und peilt bis 2030 eine Verfünffachung seines Umsatzes auf rund 50 Milliarden Euro an.

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