Wirtschaft 16.03.2016

Trotz VW-Skandals saftiger Bonus für Porsche-Mitarbeiter

Der Betrag von 8.911 Euro ist eine Anspielung auf das Porsche-Modell 911. © Bild: APA/AFP/FABRICE COFFRINI

8911 Euro pro Kopf. Start der großen Rückrufwelle bei VW lässt auf sich warten.

Trotz der angespannten finanziellen Situation beim Mutterkonzern VW zahlt der Sport- und Geländewagenbauer Porsche seinen Mitarbeitern wieder einen üppigen Bonus. Knapp 20.000 Porsche-Beschäftigte in Stuttgart und Leipzig bekommen für ihre Arbeit im Jahr 2015 einen Bonus von 8911 Euro pro Kopf, wie das Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Die Sonderzahlung liegt etwas höher als 2015 - vor einem Jahr waren es 8600 Euro. Teilzeitkräfte erhalten einen niedrigeren Betrag.

Der Zuschuss ist aufgeteilt in eine Geldprämie (8.211 Euro) und einen Rentenzuschuss (700 Euro). Porsche-Chef Oliver Blume sprach von verdientem Lohn für großes Engagement.

Porsche hat das beste Geschäftsjahr in seiner Firmengeschichte hinter sich. Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 21,5 Milliarden Euro, der Nachsteuergewinn kletterte um 6 Prozent auf 2,335 Milliarden Euro.

Aus Expertensicht ist der Porsche-Bonus angemessen. Natürlich dürften die VW-Probleme auch bei der Bonusentscheidung nicht unberücksichtigt bleiben, und man müsse das Gleichgewicht zwischen dem positiven Porsche-Abschneiden und den VW-Konzernsorgen wahren, sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach. Aber: "Es wäre schwierig, müssten die Porsche-Beschäftigten wegen VW in die Röhre schauen - das würde Animositäten schüren."

Gericht: Händler muss Auto nicht zurücknehmen

Indessen hat im deutschlandweit ersten Prozess wegen des VW-Abgasskandals das Landgericht Bochum am Mittwoch die Klage eines VW-Kunden erwartungsgemäß zurückgewiesen. Er darf wegen der Abgasmanipulationen sein Auto nicht an den Händler zurückgegeben.

Volkswagen - CO2
© Bild: APA/dpa/Julian Stratenschulte
Die Veränderungen am Abgassystem seien zwar als Mangel einzustufen, entschied das Gericht. Dieser sei aber vergleichsweise günstig zu beheben. Die Mangelbeseitigung liege unter der Bagatellgrenze von einem Prozent des Kaufpreises. Deshalb gebe es keine erhebliche Pflichtverletzung und damit auch kein Recht zum Rücktritt vom Kaufvertrag.

Immer noch kein Start für Passat-Rückruf

Der Start der ersten großen Rückrufwelle im Abgasskandal lässt immer noch auf sich warten. Die technische Prüfung laufe noch, sagte ein Sprecher des deutschen Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg. Mitte Februar hatte VW mitgeteilt, dass die erste große Rückrufwelle in der Woche ab Ende Februar starten solle. VW braucht aber für die Nachrüstung die Zustimmung des KBA.

Im Jänner war mit rund 8.500 Modellen des VW-Amarok der Startschuss für die Rückrufaktionen im Dieselskandal gefallen, jedoch angesichts der kleinen Fahrzeugzahl noch im Mini-Maßstab. Insgesamt sind deutschlandweit 2,5 Millionen Diesel aus dem VW-Konzern vom Rückruf betroffen, in Österreich sind es 388.000. Meist genügt ein Software-Update, bei den 1,6-Liter-Motoren muss auch ein Bauteil her. VW hatte mit einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert.

( Agenturen , aho ) Erstellt am 16.03.2016