© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
08/06/2021

Trotz teurer Naturkatastrophen ist Allianz auf Rekordkurs

Operatives Ergebnis voraussichtlich zwischen 12 und 13 Milliarden Euro - Zudem fielen Belastungen der Coronapandemie weg

Die Allianz steckt die Folgen der Unwetterkatastrophen in Europa offenbar locker weg. Europas grĂ¶ĂŸter Versicherungskonzern peilt im laufenden Jahr einen Rekordgewinn an. Das operative Ergebnis werde voraussichtlich zwischen 12 und 13 Milliarden Euro liegen und damit in der oberen HĂ€lfte der bisherigen Zielspanne, erklĂ€rte die Allianz am Freitag in MĂŒnchen.

Der bisherige Bestwert von 11,9 Mrd. Euro stammt aus dem Jahr 2019, im Coronajahr 2020 war der operative Gewinn auf 10,8 Mrd. zurĂŒckgegangen.

"Ich freue mich, dass alle unsere GeschĂ€ftsbereiche sehr gute Ergebnisse liefern und wir profitabel wachsen", sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol. Gut 600 Mio. Euro haben Naturkatastrophen die Allianz allein im zweiten Quartal gekostet. Die Flutkatastrophe durch das Tief "Bernd" im Juli belastet das laufende dritte Quartal mit rund 400 Mio. Euro. Dabei kann die Allianz offenbar einen Teil an die RĂŒckversicherer abwĂ€lzen: Die Deutschland-Tochter hatte den Schaden auf mehr als eine halbe Milliarde beziffert.

Trotzdem legte die Allianz im zweiten Quartal einen Gewinnsprung hin, auch weil die Belastungen der Coronapandemie wegfielen. Von April bis Juni erwirtschaftete der deutsche Versicherer ein operatives Ergebnis von 3,3 Mrd. Euro, das nicht nur um 29 Prozent höher ausfiel als im Vorjahr, sondern auch die Analystenerwartungen weit ĂŒbertraf. Sie hatten der Allianz im Schnitt 3,06 Mrd. Euro zugetraut. Der Nettogewinn stieg sogar um 46 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro.

Die wachsende Zuversicht hatte sich angedeutet: Die Allianz beginnt nach der erzwungenen Pause wieder mit AktienrĂŒckkĂ€ufen. Bis Ende des Jahres will sie eigene Aktien fĂŒr 750 Mio. Euro aufkaufen. Die Finanzaufsicht BaFin, die die Versicherer gedrĂ€ngt hatte, in der Krise ihr Geld zusammenzuhalten, hat nun nichts mehr dagegen. Die AnkĂŒndigung ließ die Allianz-Aktie im SpĂ€thandel am Donnerstag bereits krĂ€ftig anziehen. Die Allianz hatte ihr 1,5 Mrd. Euro schweres AktienrĂŒckkaufprogramm in der ersten Coronawelle auf halbem Weg abgebrochen, nun holt sie praktisch den zweiten Teil nach.

Der Umsatz, also die Summe aus VersicherungsprĂ€mien und FondsgebĂŒhren, stieg im zweiten Quartal um 11 Prozent auf 34,3 Mrd. Euro. Umsatztreiber war die Leben- und Kranken-Sparte, die mehr fondsgebundene Lebensversicherungen verkaufte. In der Sachversicherung lobte Terzariol vor allem den "Fokus auf Zeichnungsdisziplin und ProduktivitĂ€t". Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf 93,3 (2020: 95,5) Prozent. Die Industrie-Sparte AGCS hat die Preise erhöht und kehrte in die Gewinnzone zurĂŒck. Die Asset-Management-Sparte mit den Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors warb netto 26 Mrd. Euro frisches Geld ein. Dadurch und durch Kurssteigerungen wuchs das fĂŒr Dritte verwaltete Vermögen um 56 Mrd. auf 1,83 Billionen Euro.

Allianz-Chef Oliver BĂ€te kĂŒndigte unterdessen Konsequenzen aus dem Streit um Hedgefonds in den USA an. Bereits vor mehr als einem Jahr habe man entschieden, das GeschĂ€ftsmodell von Allianz Global Investors "grundlegend neu aufzustellen", sagte BĂ€te am Freitag in MĂŒnchen. Das Produktangebot werde gestrafft, rund 40 Prozent der Investment-Strategien sollten aufgegeben werden. Die Hedgefonds, mit denen US-Pensionsfonds zu Beginn der Coronapandemie massive Verluste erlitten hatten, seien "ĂŒberhaupt nicht reprĂ€sentativ fĂŒr unseren Erfolg", betonte BĂ€te, der sich ĂŒberraschend an der Telefonkonferenz beteiligte.

Der deutsche Versicherungsriese hatte vor wenigen Tagen eingerĂ€umt, dass sich nach der Börsenaufsicht SEC mittlerweile auch das US-Justizministerium in die Angelegenheit eingeschaltet hat. Ihre Klagen gegen die Allianz summieren sich nach ihren Angaben inzwischen auf rund 6 Mrd. Dollar (5 Mrd. Euro). "Es war eine wirklich schreckliche Woche fĂŒr uns", sagte BĂ€te. RĂŒckstellungen fĂŒr drohende Verluste hat die Allianz bisher nicht gebildet, weil sie diese fĂŒr nicht abschĂ€tzbar hĂ€lt. Zu gegebener Zeit werde man RĂŒckstellungen bilden, wenn man klarer sehe, sagte BĂ€te. "Dieses Event wird Spuren hinterlassen, aber die Allianz nicht von ihrem Weg abbringen."

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