Wirtschaft
22.07.2018

Top-Manager Sergio Marchionne liegt im Koma

Nach einer OP waren beim 66-Jährigen schwere Komplikationen aufgetreten. Zustand "in den vergangenen Stunden signifikant verschlechtert".

Der Ex-CEO von Fiat Chrysler Sergio Marchionne liegt in kritischem Zustand in einer Zürcher Klinik. Der 66-jährige Topmanager wurde in die Schweiz geflogen, nachdem es zu schweren Komplikationen infolge eines chirurgischen Eingriffs gekommen war.

Italienische Medien hatten in den vergangenen Tagen berichtet, dass sich Marchionne Ende Juni einer Schulteroperation unterzogen hatte. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am 26. Juni in Italien, als er den Carabinieri ein Modell des von seiner Gruppe Fiat Chrysler produzierten Jeeps Wrangler überreicht hatte, war Marchionne müde und mitgenommen erschienen. Medien spekulierten, dass er wegen eines Lungentumors operiert worden sei. Danach seien Komplikationen aufgetreten. Marchionne sei bereits im Koma nach Zürich geflogen worden.

Der Gesundheitszustand Marchionnes habe sich "nach Komplikationen in den vergangenen Stunden signifikant verschlechtert", teilte FCA am Samstag mit. "Als Folge kann Herr Marchionne seine Arbeit nicht wieder aufnehmen", hieß es weiter. Man befinde sich in einer Lage, die noch vor wenigen Stunden undenkbar erschienen sei, erklärte FCA-Verwaltungsratspräsident John Elkann.

Der Italo-Kanadier Marchionne hätte eigentlich erst im April kommenden Jahres das Zepter an einen internen Nachfolger übergeben sollen. Wegen seines kritischen Zustands ernannte der FCA-Aufsichtsrat den Briten Mike Manley zu Marchionnes Nachfolger. Marchionne saß bei Fiat seit 2004 am Steuer. Ihm wird zugeschrieben, Fiat und Chrysler vor der Pleite gerettet zu haben.

Elkann: "Marchionne war der beste Chef"

Der Verwaltungsratspräsident von Fiat Chrysler (FCA), John Elkann, hat in einem Schreiben an die Mitarbeiter des Konzerns seine Bestürzung wegen der Verschlechterung des Gesundheitszustands von Sergio Marchionne ausgedrückt, der 14 Jahre lang das Unternehmen als CEO führte. Wegen seines Zustands werde Marchionne nicht mehr zu seiner Arbeit zurückkehren, schrieb Elkann am Sonntag.

"Zuerst bei Fiat, dann bei Chrysler und zuletzt bei FCA war Marchionne der beste CEO, den man sich wünschen könnte. Für mich war er ein wahrer Mentor, ein Kollege und ein Freund. Wir haben uns in einer der dunkelsten Phase der Fiat-Geschichte kennengelernt. Dank seiner Intelligenz, seines Durchhaltevermögens und seiner Führungskapazitäten haben wird das Unternehmen retten können", schrieb der 42-jährige Elkann.

Der Verwaltungsratspräsident rief die Mitarbeiter auf, den am Samstag zu Marchionnes Nachfolger ernannten Briten Mike Manley zu unterstützen. Manley sei ein Protagonist des neuen Kurses bei FCA gewesen. Er habe im Konzern zunehmende Verantwortung übernommen. Elkann zeigte sich überzeugt, dass der neue CEO die neuen Ziele des Entwicklungsplans bis 2022 erreichen werde, den Marchionne erst im Juni vorgestellt hatte.