Wirtschaft
08.03.2012

Theater verlangt Essen statt Eintrittsgeld

Die krisengeschüttelten Griechen organisieren sich in zahlreichen Selbsthilfegruppen, wie zwei Beispiele aus Thessaloniki zeigen.

Not macht erfinderisch: Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise mit mittlerweile mehr als einer Million Arbeitslosen bilden sich in Griechenland immer mehr "Selbsthilfegruppen", wie zwei Aktionen aus Thessaloniki veranschaulichen.

Ein Theater in Griechenlands zweitgrößter Stadt ist angesichts zunehmender Armut und Hunger im Land kurzfristig zum Tauschhandel übergegangen. Statt Eintrittskarten sollten die Besucher lang haltbare Nahrungsmittel mitbringen, ließ das Nationaltheaters Nordgriechenlands vermelden. Diese kämen über soziale Einrichtungen Waisen und allein erziehenden Müttern zugute. Die Initiative gilt für fünf Vorstellungen im März und April.

Direktverkauf

Andere sind seit neuestem dazu übergegangen, Agrarprodukte direkt von den Bauern an die Verbraucher zu bringen. So bestellten Studenten und Personal von der Universität Thessaloniki etwa Erdäpfel in großen Mengen und organisierten den Verkauf an die Bewohner.

Damit wollen sie Zwischenhändler und Supermarktkette umgehen, denen vorgeworfen wird, die Preise künstlich in die Höhe zu treiben.

Troika" stellt sich auf Zwangsumtausch

Das hochverschuldete Griechenland rutscht indes immer tiefer in die Rezession. Im Gegenzug für Hilfskredite der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) sowie einen Schuldenschnitt der privaten Gläubiger hat sich die Regierung des früheren EZB-Vizechefs Lucas Papademos zu drastischen Kürzungen auch im Sozialbereich verpflichtet.

Außerdem stellt sich die Troika laut einem Pressebericht bereits auf einen erzwungenen Umtausch von griechischen Staatsanleihen ein. "Wir rechnen damit, dass die freiwillige Beteiligung nicht ausreicht, um die Aktivierung der CACs zu vermeiden", hieß es laut Financial Times Deutschland aus Kreisen der Troika.