TGV ist 30: Rekorde und Sarkozys Pläne

1981 feierte der französische Hochgeschwindigkeitszug seine Jungfernfahrt. 1,7 Milliarden Fahrgäste später stellt Frankreich die Weichen für ein neues Großprojekt...

Der 22. September 1981 ging als großer Tag in die Geschichte der Grande Nation ein: Der TGV machte seine erste offizielle Fahrt auf der Strecke Lyon-Paris. An Bord war der damalige Präsident Francois Mitterrand, der sich als Eisenbahnersohn von der neuen Technik begeistert zeigte... ... zum 30-Jahr-Jubiläum durfte heuer Staatslenker Nicolas Sarkozy in den Führerstand an den Hebel der Macht. TGV steht übrigens für "Train à Grande Vitesse" - und der Name ist Programm: 260 Stundenkilometer fuhr der Zug 1981, heute schafft er ein Tempo von 320 Kilometern pro Stunde. Der Vorteil: Damit macht er auf Strecken wie Paris-Straßburg, wo er nur zwei Stunden und zwanzig Minuten braucht, das Flugzeug überflüssig. Apropos Paris-Straßburg: Eine Spezialversion des TGV mit AGV-Technik pulverisierte auf dieser Strecke 2007 den Geschwindigkeitsrekord für Schienenfahrzeuge... ... und schaffte es bis auf 574,8 Stundenkilometer - nicht mehr weit entfernt vom Rekord der japanischen Magnetbahn (581km/h). Der 2008 vorgestellte AGV ("Automotrice à Grande Vitesse") ist leichter und schneller als sein Vorgänger TGV und... ... bietet auch mehr Reisenden Platz, da die Motoren gleichmäßig unter den Waggons verteilt sind. Trotz der hohen Geschwindigkeiten passierte mit einem TGV - im Gegensatz zum ICE -, mit dem in den vergangenen drei Jahrzehnten 1,7 Milliarden Menschen fuhren, noch kein schwerer Unfall. (Bild: TGV und ICE auf einer Rheinbrücke) Die Franzosen schätzen an "ihrem" TGV, dass er sie relativ preiswert und deutlich schneller als das Auto auch in kleine Städte bringt - mehr als 200 Reiseziele hat der Zug allein in Frankreich. Seine anfangs im Vergleich zum ICE schlichte Innenausstattung hat der TGV in den vergangenen Jahren aufpoliert. Modedesigner Christian Lacroix entwarf das Innere der Waggons, die auf den Oststrecken eingesetzt werden,... ... und kleidete auch das Zugpersonal ein. Für die Zukunft hegt Frankreich große Pläne, der TGV soll auch durch Nordafrika rollen: Ende September will Präsident Sarkozy den Grundstein für die TGV-Strecke zwischen den marokkanischen Städten Tanger, Rabat und Casablanca legen. TGV-Hersteller Alstom hofft außerdem auf Milliardenaufträge aus Saudi-Arabien und den USA. In den Vereinigten Staaten könnte die französische Bahn SNCF wegen ihrer Rolle bei der Deportation von Juden im Zweiten Weltkrieg allerdings das Nachsehen haben. Auch beim wichtigen Geschäft durch den Ärmelkanal-Tunnel bekommt der TGV-Schwesterzug Eurostar Konkurrenz: Der ICE will ab 2013 durch den Tunnel nach London fahren. (Bild: ICE-Testfahrt im Vorjahr) Interessantes Detail zum Jubiläum: Zwei Drittel aller Franzosen können sich laut einer Umfrage... ... noch an ihre erste Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug TGV erinnern.
(APA, KURIER.at) Erstellt am
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