Wirtschaft
05.12.2011

Teuerung: Katzian will satte Lohnerhöhung

Heuer muss es Lohn- Erhöhungen "ordentlich" über der Inflationsrate geben, sagt Gewerkschafts-Boss Wolfgang Katzian.

Mit einem Plus von 3,5 Prozent im Jahresvergleich ist die Inflation in Österreich im Juli auf ein Drei-Jahres-Hoch gestiegen. Die "gefühlte" Inflation ist noch höher: Ein typischer Wocheneinkauf (inklusive Sprit) war im Juli 6,9 Prozent teurer als im Vorjahr; dazu kommen stark gestiegene Energie-Preise (plus 5,9 Prozent) - und teils saftige Gebühren-Erhöhungen wie aktuell in Wien.

Die hohe Inflation heizt auch den Lohnkampf an: Wolfgang Katzian, Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, fordert satte Lohnerhöhungen bei den Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst. "Das Wirtschaftsjahr war sehr gut. Nur die Inflation, die die Basis ist für die Verhandlungen, abzugelten, wird da definitiv nicht reichen", sagt Katzian im Gespräch mit dem KURIER. Auf die Teuerungsrate müsse "ein ordentlicher Prozentsatz" draufgeschlagen werden, "damit netto real etwas überbleibt". Denn im täglichen Leben würden die Menschen "die Teuerung ganz besonders spüren".

Staffelung

Konkrete Zahlen will Katzian noch nicht nennen, "es wird aber nicht reichen, auf die Inflation nur 0,1 oder 0,2 Prozent aufzuschlagen". Der SPÖ-Mann kann sich auch "gut vorstellen, ganz besonders dafür zu sorgen, dass die Empfänger niedriger Einkommen gut berücksichtigt werden"; etwa durch gestaffelte Erhöhungen oder einen Mindestbetrag für die Erhöhung.

Eine Staffelung fordern auch die Pensionistenvertreter: Alle Pensionen sollen um den gesetzlichen Richtwert von 2,7 Prozent (= Durchschnitt der Inflation von August 2010 bis Juli 2011) erhöht werden, kleine Pensionen noch stärker.

Pensionsalter

Pensions-Experte Ulrich Schuh vom Institut für Höhere Studien (IHS) plädiert dafür, alle Pensionen um die vorgesehenen 2,7 Prozent zu erhöhen: "Das Gesetz ist vernünftig und zeigt einen leistbaren Rahmen auf. Für Großzügigkeit gibt es im momentanen Staatsbudget absolut keinen Spielraum." Für Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO wäre "eine Staffelung, wie es sich auch im Vorjahr gab, aus sozialen Gesichtspunkten sinnvoll". So könnten Pensionen unter 2310 Euro um drei Prozent steigen - und über 2310 Euro etwas weniger. Die Budgetnöte sollten hier kein Killer-Argument sein, sagt Scheiblecker: "Wenn gespart werden muss, dann beim Pensionsantrittsalter."

Prognose: Jahresinflation heuer bei 3,2 Prozent erwartet

Wirtschaftsexperten gehen derzeit nicht davon aus, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten noch weiter steigen wird. Grund ist der sich bereits in den USA abzeichnende Konjunkturabschwung, der ab Herbst auch Europa erfassen dürfte. Schrumpft die globale Wirtschaftsleistung, wird weniger Öl verbraucht und der Rohölpreis sinkt wieder.
Auch der Höhenflug bei anderen Rohstoffen dürfte vorerst wieder vorbei sein. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) rechnet für das Gesamtjahr 2011 unterm Strich mit einer Jahresinflationsrate von 3,2 Prozent.

"Die 3,5 Prozent im Juli waren im Rahmen unserer Erwartungen. Derzeit sehen wir keinen Grund für eine Revision der Jahresprognose", sagt WIFO-Inflationsexperte Josef Baumgartner. Für 2012 wird eine Jahresinflation von 2,6 Prozent erwartet. Warum in Österreich die Preise zuletzt stärker angestiegen sind als etwa im Nachbarland Deutschland erklärt Baumgartner mit dem höheren Anteil an touristischen Dienstleistungen im Warenkorb zur EU-weit harmonisierten Inflations-Berechnung (HVPI). Dadurch würden Preisanstiege in der Hotellerie und Gastronomie stärker ins Gewicht fallen. Wie berichtet hatten im Juli nur Estland und Belgien eine noch höhere Inflation als Österreich.

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