Hannes Ametsreiter Interview am 27.9.2012 in Wien

© KURIER /christandl jürg

Bilanz
02/28/2013

Telekom-Chef kann sich Kursaffäre nicht erklären

Kursmanipulation: TA wird volle Schadenssumme einfordern - Nettogewinn von 104 Mio. Euro im vergangenen Jahr.

Telekom Austria-Generaldirektor Hannes Ametsreiter wurde heute, Donnerstag, bei der Bilanzpressekonferenz auch nach dem erstinstanzlichen Urteil im Prozess um die Telekom-Kursmanipulation befragt. Ametsreiter, der jahrelang eng mit den damaligen Führungskräften zusammenarbeitete, meine auf die Frage, warum hochdotierte Manager solche Fehler begehen würden: "Ich habe keine Erklärung dafür." Er lobte die Justiz, die "rasch und professionell" reagiert habe.

Die Telekom, die sich dem Prozess als Privatbeteiligter angeschlossen hat, werde jedenfalls die volle Schadenssumme einfordern, so Ametreiter.

Diese wurde ohnehin gestern vom Schöffensenat der Telekom zugesprochen. Allerdings gilt dies nur für die (nicht rechtskräftig) schuldig gesprochenen Top-Manager Stefano Colombo, Rudolf Fischer und Josef Trimmel. Ex-General Heinz Sundt wurde freigesprochen, ob seine 390.000 Euro (brutto) Bonus zurückgefordert werden, hänge von den rechtlichen Möglichkeiten ab.

Derzeit gibt es ein Bonusprogramm für 400 Mitarbeiter. Basis ist allerdings nicht mehr die Entwicklung des Börsenkurses über eine Woche - wie das 2004 der Fall war - sondern eine Summe von Kennzahlen über einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren. Die Vorstände können maximal 36.000 Aktien pro Person aus diesem Programm erwerben, die Auszahlung für alle erfolgt in Bar - obwohl eine Auszahlung in Aktien auch möglich wäre.

Nettogewinn von 104 Mio. Euro

In ihrer Bilanzpressekonferenz gab die Telekom Austria Group bekannt, dass sie im Jahr 2012 einen Nettogewinn von 104 Mio. Euro eingefahren. Der für den Konzern wichtigen Free Cash Flow je Aktie hat die TA aber erheblich reduziert. Er sank um 32 Prozent, rückläufig war auch der Umsatz mit minus 2,8 Prozent auf 4,33 Mrd. Euro.

Das Betriebsergebnis drehte von minus 7,6 auf plus 456,8 Mio. Euro. Weiter abgebaut wurde die Mitarbeiterzahl. Sie sank um 4,5 Prozent auf 16.446 Personen. Die Dividende für das kommende Jahr bleibt wie angekündigt bei 0,05 Euro, der Umsatz bei 4,1 Mrd. Euro.

n Österreich konnte der teilsaatliche Konzern zwar die Kundenzahl leicht um 2,1 Prozent steigern. Der Umsatz gab aber um 5,3 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro nach.

Zur Geschäftsentwicklung meinte Ametsreiter, er orte einen Trend hin Richtung Niedrigpreisniveau im Mobilfunk. Der Durchschnittsumsatz je Kunde lag im 4. Quartal 2012 bei A1 (Telekom Austria) 17,50 Euro, nach 19,20 Euro im Vorjahresquartal.

Hohe Personalkosten

In Österreich werde das Ergebnis auch durch die Personalstruktur belastet. 80 Prozent der Mitarbeiter seien beamtet und daher weniger "flexibel" da sie "restriktive Arbeitsverträge" hätten. Das Durchschnittsalter dieser Beschäftigten liege bei 47 Jahren. Gleichzeitig betonte Ametsreiter, dass seit dem Jahr 2009 die Gruppe insgesamt eine Kostenersparnis von 420 Mio. Euro erreichen können.

Ametsreiter kündigte zudem an, dass Akquisitionen auf der Agenda der Telekom im Jahr 2013 stehen. Weiteres wichtiges Thema sei der Ausbau des LTE-Netzes. Hier habe die Telekom schon jetzt die Technologieführerschaft.

Zum globalen Markt meinte der Telekom-Chef, dass Europa den führende Rang im Mobilfunk einbüße, hier müsse die Politik für mehr Investitionsmöglichkeiten sorgen. Einmal mehr kritisierte Ametsreiter die seiner Meinung nach zu strenge Regulierung und die Roaming-Preisvorgaben.

Finanzchef Hans Tschuden sprach rückblickend von "sehr rauen Zeiten mit enormen Wettbewerb und Regulierung" im Jahr 2012. Die Emission einer Hybridanleihe hätten aber zu einer Stärkung des Eigenkapitals auf mittlerweile 1,4 Mrd. Euro geführt. Zufrieden zeigte sich Tschuden mit dem Sorgenkind Weißrussland. Inzwischen gäbe es hier ein zweistelliges Umsatzwachstum.

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