© APA_David Fernandez

Wirtschaft
04/05/2012

Tankparadies Venezuela: Benzin um 2 Cent pro Liter

Ein Volltank fürs Auto kostet im fünftgrößten Ölexporteur der Welt rund einen Euro. Grund: Sprit ist hoch subventioniert.

von Josef Siffert

Venezuela ist ein Tankparadies. Die sozialistische Regierung von Hugo Chavez sorgt an den Tankstellen des fünftgrößten Ölexportlandes der Welt für gute Stimmung.

Denn der Liter Benzin kostet umgerechnet und großzügig aufgerundet nur zwei Euro-Cent (0,018 Euro) – nach offiziellem Kurs.

Wenn man aber, wie in Venezuela üblich, schwarz tauscht, ergibt sich für einen Liter Sprit (95 Oktan) die kaum messbare Summe von etwa 0,008 Euro.

Billiger geht`s nicht. Nirgendwo auf der Welt. "Das venezolanische Benzin ist das billigste der Welt", so Erdöl- und Bergbauminister Rafael Ramirez (rechts im Bild), der zugleich Präsident des staatlichen Öl-Konzern PDVSA ist.

In Venezuela ist Benzin sogar billiger als Wasser.

Für einen Liter Wasser bezahlt man am Kiosk 8 Bolívares (1,44 Euro).

Für diese Summe bekommt man gut 80 Liter Sprit – das reicht locker für eine Tankfüllung.

Denn vor allem wuchtige SUVs und schluckfreudige Karossen mit bis zu vier Litern Hubraum fahren in den Nobelgegenden an die Zapfsäulen.

In ärmeren Gegenden sind es 20 bis 30 Jahre alte Chevrolets – Verbrauch spielt in Venezuela angesichts der Spritpreise keine Rolle.

Motorradfahrer können auch schon mal ohne Bezahlen von der Tankstelle wegfahren.

dapdSupporters of Venezuelaís Presidugo Hugo Chavez,sed as Cuban Revolutionary hero Ernesto #2o ìCh8; Guevaruevara a bike close to the Presidential Palace ince in Caracas, Venezuela, Sunday, Sept. 26, 2010. President Hugo Chavez held on to a congressi

Was europäischen Autofahrern als Tankparadies erscheinen mag, wird vom venezolanischen Staat teuer subventioniert und zwar mit über 90 Prozent.

Der Spritpreis deckt gerade einmal einen Bruchteil der Herstellungskosten.

Allein der staatliche Öl-Konzern PDVSA verzichtet dadurch jährlich auf etwa 1,5 Mrd. US-Dollar (1,1 Mrd. Euro), wie Ramirez (Bildmitte) im vorigen Jahr bekanntgab.

Die Gesamtkosten für die Subventionen liegen nach unterschiedlichen Schätzungen aber deutlich höher zwischen sieben bis 12 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Obwohl die Subventionen horrend hoch sind, wird in nächster Zeit keiner wagen, halbwegs realistische Marktpreise durchzusetzen.

Denn am 7. Oktober wird gewählt. Der amtierende Präsident Chavez sieht in den seit mehr als 13 Jahren geltenden Niedrig-Sprit-Preisen eine Wohltat fürs Volk.

Auch wird sich sein oppositioneller Herausforderer Henrique Capriles Radonski davor hüten, an den Benzinpreisen zu schrauben.

Im Jahr 1989 mündete ein solcher Versuch in blutigen Aufständen - Caracazo genannt - mit offiziell Hunderten, inoffiziell Tausenden Toten.

Eine enorme Verschuldung von über 30 Mrd. Dollar zwang die Regierung zu umfangreichen Sparmaßnahmen, einer Reihe von Privatisierungen und das Aufheben von Subventionen. So sollten unter anderem die Kosten fürs Benzin um 100 Prozent und die Tarife für den öffentlichen Transport um 30 Prozent angehoben werden.

Paradox: Venezuela verfügt nach eigenen Angaben mit 300 Milliarden Barrel über die größten Ölreserven der Welt, Benzin aber muss es importieren.

Die Raffinerien des Landes haben nicht genügend Kapazitäten.(Bild: El Palito Raffinerie in Puerto Cabello, westlich von Caracas.)

Durch eine Explosion in der größten Raffinerie des Landes, Amuay, vor gut einem Monat hat sich die Lage weiter verschärft (mehr dazu: HIER).

Ein weiteres Phänomen, das durch den billigen Spritpreis begünstigt wird, ist der Benzin-Schmuggel.

Zwischen Kolumbien und Venezuela hat sich eine besondere Form des "Sprit-Exports" entwickelt.

Venezolaner tanken ihr Auto im eigenen Land günstig voll, um das Benzin im benachbarten Kolumbien abzapfen zu lassen.

Mit einer Tankfüllung lässt sich ein Profit von 4000 Prozent erzielen.

Das hat so weit geführt, dass grenznahe Tankstellen in Kolumbien schließen mussten.

Für die Wirtschaft des OPEC-Landes Venezuela sind die Ölressourcen ein Schlüssel. Über 90 Prozent der Exporterlöse Venezuelas stammen aus Ölexporten.

Zudem wird rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus den Erdöleinnahmen generiert, die über 50 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.