Stevias Stern ist am Verglühen
Gut zwei Jahre ist es her, dass der Süßstoff Stevia in der EU zugelassen wurde. Die anfängliche Euphorie ist inzwischen einer gewissen Ernüchterung gewichen.
In den Supermarktketten sind Produkte mit der kalorienfreien Süßkraft der südamerikanischen Stevia-Pflanze schwierig zu finden. "Viele mit Stevia gesüßten Markenprodukte sind mittlerweile aufgrund zu geringer Nachfrage vom Markt verschwunden", heißt es seitens der Handelskette Spar.
Der Süßstoff wird aus den Blättern der in Südamerika wachsenden Pflanze Stevia rebaudiana gewonnen und ist bis zu 300 Mal süßer als Zucker. Es hat keine Kalorien und verursacht im Gegensatz etwa zu Rüben- und Rohrzucker auch kein Karies. Das daraus gewonnene Steviolglycosid darf etwa in Joghurts, Müslis, Getränken, Schokolade und anderen Süßigkeiten verwendet werden.
Unter Erwartung
"Der Absatz der Produkte, die am Markt bestehen konnten, hat sich auf einem niedrigen Niveau eingependelt", sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Unter der Spar-Eigenmarke Vital gibt es ein Stevia-Fruchtjogurt, ein mit Stevia gesüßtes Ketchup, Kräuterbonbons und 12 verschiedene alkoholfreie Getränke. Eine Ausweitung des Sortiments ist bei Spar nicht geplant. Insgesamt würden "kalorienreduzierte Produkte weniger nachgefragt".
Auch Rewe mit seinen Lebensmittelketten Billa, Merkur, Penny und Adeg ortet ein Ende des Stevia-Hypes. Billa bietet unter seiner Eigenmarke nur zwei mit Stevia gesüßte Produkte (Mineralwasser mit Geschmack) an. Geplant sind derzeit keine weiteren Artikel.
Bei Felix Austria ist man mit dem Absatz des Anfang 2012 eingeführten Stevia-Ketchups zufrieden. "Es gibt eine kleine Fangemeinde." Ein Ausbau des Sortiments ist aber dennoch nicht geplant.
Der zu Teekanne gehörende Süßstoff-Anbieter Kandisin zeigt sich mit dem Erfolg seines Stevia-Produkts hingegen höchst zufrieden. Die Neueinführung habe nicht den Absatz von anderen Süßungsmittel kannibalisiert, sondern insgesamt dem Markt zu mehr Wachstum verholfen.
Der niederösterreichische Stevia-Pionier Klaus Reisenberger mit seiner Firma Natusweet rechnet in Zukunft dennoch mit verstärkter Nachfrage. Die wachsende Gruppe der gesundheitsbewussten Konsumenten und auch Diabetiker würden zu dem Süßstoff greifen. Vor allem die Zuckerindustrie habe nach der Markteinführung intensiv gegen Stevia lobbyiert und auch negative Berichte hätten den Boom gedämpft. "Durch Entwicklungsarbeit wurden die geschmacklichen Probleme gelöst. Der bittere Geschmack ist weg."
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