Wirtschaft
21.12.2011

Südamerika klappt Importschranken runter

Die Mercosur-Staaten wollen durch höhere Zölle die Flut an Billigimporten nach Südamerika stoppen.

Beim Mercosur-Gipfel in der uruguayanischen Hauptstadt Montevideo haben die Vollmitglieder des südamerikanischen Wirtschaftsbündnisses - Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay - höhere Zollschranken beschlossen. Dadurch soll die Flut an Billigimporten nach Südamerika gestoppt werden. Diese gefährdeten Wachstum und Arbeitsplätze, sagte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. Sie zeigte sich auch besorgt über die negative wirtschaftliche Entwicklung in Europa. "Wir haben Grund zur Sorge über die Möglichkeit einer globalen Rezession", sagte Rousseff. Die Mercosur-Mitgliedsstaaten müssten rasch handeln, um ihre Industrien zu schützen.

Bei dem Treffen beschlossen die südamerikanischen Staaten zudem, künftig keine Schiffe unter der Flagge der britischen Falklandinseln in ihren Häfen anlegen zu lassen. Vor dreißig Jahren hatten Großbritannien und Argentinien um die auf Spanisch "Malvinas" genannte Inselgruppe Krieg geführt. Der Konflikt war zuletzt nach Probe-Ölbohrungen in den Gewässern rund um die Falklandinseln wieder aufgeflammt.

Venezuela und Ecuador wollen Voll-Mitgliedschaft

Bei seinem Auftritt am Gipfel forderte Venezuelas Staatschef Hugo Chavez mit Nachdruck die Aufnahme seines Landes in den Gemeinsamen Markt des Südens, wie das Bündnis offiziell heißt. Er kritisierte eine "kleine Menschengruppe", die die Integration seines Landes verhindere. Das paraguayanische Parlament blockiert seit fünf Jahren durch seine Nicht-Ratifikation die bereits beschlossene Aufnahme Venezuelas in das Bündnis.

Auch Ecuadors Präsident Raffael Correa forderte die Aufnahme seines Landes als Vollmitglied. Als Reaktion kündigte Uruguays Präsident Jose Mujica - wie die Staatschefs von Venezuela und Ecuador politisch linksgerichtet - die Einrichtung einer Kommission an, die Möglichkeiten zu einer rascheren Eingliederung der beiden Länder ausarbeiten soll.

Argentinischer Unterstaatssekretär tot aufgefunden

Am Rande des Gipfels ereignete sich unterdessen offenbar eine Tragödie: Der argentinische Unterstaatssekretär für Außenhandel, Ivan Heyn, wurde tot aufgefunden. Auf Kreisen der Gipfelteilnehmer hieß es, er habe sich erhängt. Er hatte erst zwei Wochen zuvor sein Amt angetreten. Die argentinische Präsidentin Christina Kirchner zog sich daraufhin von den Gipfelgesprächen zurück; ein gemeinsames Abschlussfoto wurde abgesagt.