Wirtschaft
21.12.2018

Steuerreform: Eine Milliarde Euro reicht für kalte Progression

Der Familienbonus wird in die Steuerreform eingerechnet, um die kalte Progression auszugleichen. Haushalte ohne Kinder haben Nachteile.

Weil Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) den neuen Familienbonus in die kommende Steuerreform einrechnen will, wird rund eine Milliarde Euro ausreichen, um die in den Jahren 2017 bis 2020 anfallende kalte Progression auszugleichen. Das geht aus Berechnungen der Innsbrucker Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) hervor. Haushalte ohne Kinder würden nicht ausreichend kompensiert.

Summiert man die Einnahmen der Jahre 2017 bis 2020, so bringt die kalte Progression dem Staat in diesem Zeitraum 4,939 Milliarden Euro ein. Rechnet man die Mindereinnahmen durch den Familienbonus und die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge im Ausmaß von 3,907Milliarden Euro gegen, so bleibt eine Nettobelastung von 1,032 Milliarden Euro übrig, heißt es seitens der GAW. Um die Steuerbelastung 2020 auf das Niveau von 2016 zu senken, würden sogar nur 90 Millionen Euro reichen.

Keine vollständige Kompensation

Die Wirtschaftsforscher weisen darauf hin, dass für Haushalte mit Kindern die Entlastung in den Jahren 2017 bis 2020 größer ist, als die Belastung durch die Progression, und zwar netto um 2,196 Milliarden Euro. Singles oder Paare ohne Kinder, die den Bonus ja nicht bekommen, müssten bei der Steuerreform hingegen um 3,220 Milliarden Euro entlastet werden.

Die GAW erinnert an jüngste Medienberichte, wonach die Reform ein Volumen von etwa 3,5 Milliarden Euro aufweisen soll, die sich auf eine Senkung der Körperschaftssteuer, den Einkommenstarif und die Sozialversicherungsbeiträge verteilen wird. "Die Folge wird sein, dass Haushalte mit Kindern noch stärker entlastet werden als sie - durch den Familienbonus beziehungsweise die Senkung der ALV-Beiträge - ohnehin schon wurden. Haushalte ohne Kinder werden für die bei ihnen angefallene kalte Progression jedoch nicht vollständig kompensiert werden", so die Schlussfolgerung der Wirtschaftsforscher.