Wirtschaft
21.10.2017

Start-up statt Nadelstreif

Peter Hagen, Ex-Chef des VIG-Konzerns, ist unter die Gründer gegangen und hat prominente Investoren geholt.

Dass sich Peter Hagen nach seinem Abgang als Chef der VIG-Gruppe nicht gemütlich zurücklehnen würde, war jedem klar, der den Top-Versicherungsmanager kennt. Der Ex-Boss von Österreichs größtem Insurance-Konzern ist in der Branche geblieben, allerdings nicht im konventionellen Geschäft. Mit drei Partnern gründete er in Berlin ein Versicherungs-Start-up.

Das Projekt ist riskant und Hagen spricht von einem "ganz neuen Abenteuer. Aber 1990 in den Osten zu gehen, war auch ein Abenteuer". War die Ostexpansion der VIG damals eine "geografische Disruption, geht es jetzt um eine technologische".

Ein Jahr arbeitete das Team unter dem Radar der Öffentlichkeit am Aufbau der Coya AG. Kürzlich pumpten prominente internationale Investoren eine Anschubfinanzierung von zehn Millionen Dollar in das junge Unternehmen, das derzeit bei der deutschen Aufsicht das Lizensierungsverfahren durchläuft. Der Markteintritt in Deutschland ist für 2018 plant. Zielgruppe sind, erklärt Hagen, "die 18- bis 35-Jährigen. Davon gibt es alleine in Deutschland 20 Millionen". Österreich steht für absehbare Zeit nicht auf der Landkarte, weil zu klein.

Den Investoren, darunter das Who’s Who der deutschen Gründerszene, gefällt das Geschäftsmodell. Mit dabei ist der deutsche Milliardär Peter Thiel mit der Investmentgesellschaft Valar. Thiel ist Mitbegründer des Bezahldienstes Paypal, war einer der ersten Facebook-Aktionäre und ist einer der wenigen Unterstützer von US-Präsident Donald Trump aus der Technologieszene. Auch Trivago-Gründer Rolf Schrömgens hat investiert.

Familienfonds

An die Coya-Story glaubt auch der Fonds La Famiglia, den bekannte Unternehmerfamilien im Vorjahr für Investments in technologieorientierte junge Unternehmen aufgelegt haben. An der Spitze steht Jeannette zu Fürstenberg. An Bord sind Angehörige der Familien Siemens, Vissmann, Braun und Miele. Sowie Mitglieder der österreichischen Kristalldynastie Swarovski und der belgische Solvay-Clan.

Die traditionellen Versicherer werden sich warm anziehen müssen. Was für die Banken die neue Konkurrenz der Fintechs ist, sind bei den Assekuranzen die InsurTech Start-ups. Man habe das Geschäftsmodell Versicherung von Grund auf neu durchdacht und definiert und entwickle eine eigene, hochmoderne Technologie, erklären die Coya-Gründer. Mit einem "einzigartigen Mix aus Versicherungs-, Technologie- und Data-Science-Expertise" wolle man die Versicherungsindustrie revolutionieren. Und in aller Unbescheidenheit Europas "führender digitaler Versicherer" im Sachgeschäft werden.

Hagen und seinen Gründungskollegen gehören noch 50 Prozent der Aktien. Der langjährige VIG-Manager, der sich Ende 2015 nach strategischen Auffassungsunterschieden mit seinem Mentor Günter Geyer verabschiedete, wird bei Coya die Spitze des Aufsichtsrates übernehmen. In Österreich sitzt Hagen auf einem Mandat der mexikanischen Mehrheitseigentümer im Aufsichtsrat der Telekom.

Zum Vorstandsvorsitzenden bei Coya wurde dieser Tage der ehemalige UNIQA-Konzernvorstand Thomas Münkel bestellt. Münkel ging 2016 aus privaten Gründen nach Deutschland. Wo ihn Hagen mit dem neuen Abenteuer lockte.