Der Mediencluster in Neu Marx sorgte für heftige politische Diskussionen.

© stephan boroviczeny

Wirtschaft
12/12/2018

Stadt Wien und Aliyev-Witwe haben Media Quarter verkauft

Geschäft fürs Rathaus: Europas größte Fondsgesellschaft, Amundi, zahlt mehr als 80 Millionen Euro.

Für die Stadt Wien schließt sich das letzte Kapital im Fall des Media Quarter Marx (MQM). Die französische Asset-Management-Gruppe Amundi Real Estate übernahm nun den größten der drei Bauteile. Der Kaufpreis wird geheim gehalten, soll sich laut Brancheninsidern aber bei „gut mehr als 80 Millionen Euro“ bewegen.

Die Stadt Wien hielt 40 Prozent an Österreichs größtem Medienzentrum auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes St. Marx an der Südost-Tangente. 60 Prozent gehörten Elnara Shorazova, der Witwe des unter mysteriösen Umständen in der Justizanstalt Josefstadt verstorbenen kasachischen Ex-Botschafters Rakhat Aliyev.

Shorazova verkaufte allerdings neun Prozent an die Meinl Bank und hielt zuletzt nur noch 51 Prozent am MQM.

Das MQM3 umfasst mehr als 25.000 Quadratmeter und ist derzeit zu hundert Prozent vermietet. Gerhard Hirczi, Vorstand der Wirtschaftsagentur, einem Fonds der Stadt Wien, gibt sich zufrieden. „Der Verkauf ist ein sehr gutes Geschäft für die Stadt Wien, es wurde ein sehr zufriedenstellender Kaufpreis erzielt“.

Die Stadt und Aliyev hatten insgesamt 65 Millionen Euro in das Projekt investiert. Vom Kaufpreis muss noch ein Darlehen in der Höhe von knapp unter 45 Millionen Euro getilgt werden. Sowohl Investitionen als auch Darlehen teilen sich ebenfalls im Verhältnis 60 zu 40 auf.

Im Media Quarter sind Unternehmen wie die  Pro7Sat1Puls4-Group, das echo medienhaus und die Wiener Zeitung eingemietet.

Politische Diskussionen

Die Intransparenz um die Eigentumsverhältnisse des Medienclusters hatte in Wien für heftige politische Diskussionen und für viel Aufregung bei der Opposition gesorgt. Ursprünglich war der ehemalige SPÖ-Nationalbankpräsident Adolf Wala der Partner der Stadt. Wala stieg aber bald aus und verkaufte seine Anteile an Aliyev. Der Ex-Schwiegersohn des kasachischen Staatspräsidenten und Diktators Nasarbajew versteckte seine Anteile am MQM hinter einem undurchsichtigen internationalen Geflecht aus Firmen und Treuhändern, der KURIER deckte die wahren Eigentumsverhältnisse auf. ÖVP und FPÖ setzen eine Rechnungshofprüfung durch, die Stadt Wien behauptete immer, nicht zu wissen, wer hinter der Konstruktion stecke und ihr tatsächlicher Parter sei. Das Media Quarter war ein PPP-Projekt, eine Publik-Private-Partnership. Aliyev wurde vorgeworfen, er habe zwei Manager seiner kasachischen Bank ermorden lassen.

Der erste Anlauf, das MQM3 zu verkaufen, scheiterte im Sommer 2015. Der potenzielle Käufer hatte Auslastungsgarantien verlangt.

Das jetzige Verkaufsverfahren wurde von EHL Investment Consulting abgewickelt. Der neue Eigentümer Amundi ist Europas größte Fondsgesellschaft. Das Unternehmen ist in Österreich nicht unbekannt. Amundi übernahm Pioneer von der UniCredit Bank Austria und zuvor die Fondsgesellschaft der Bawag/PSK.