Einsamer Arbeiter auf Baustelle in Madrid

© Reuters/PAUL HANNA

Krisenfolgen
04/11/2014

Spaniens Arbeitslosigkeit bleibt noch viele Jahre hoch

Trotz Exportbooms hat ein Viertel der Spanier keinen Job. Vor allem Bauarbeiter sind betroffen.

Spaniens Wirtschaftsleistung erreicht 2014 erstmals wieder das Vorkrisenniveau. Allerdings sind durch das Platzen der Immobilienblase vier Millionen Jobs weggefallen – vor allem in der Bauwirtschaft. Am härtesten treffe das 35- bis 45-Jährige, die keine Ausbildung haben, sagt Michael Spalek, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Madrid. Die Arbeitslosenrate, derzeit bei 26 Prozent, werde deshalb auch in fünf Jahren nur auf etwa 22 Prozent sinken, prognostiziert der Internationale Währungsfonds.

Erfreulich entwickelte sich zuletzt der Tourismus: Instabile Verhältnisse in Ägypten, Tunesien und der Türkei spielten den Spaniern bei ausländischen Gästen in die Karten. Die Spanier selbst blasen ihren Inlandsurlaub ab: Die üblichen zwei, drei Wochen an der Küste können sich viele nicht mehr leisten.

Von den Gehaltskürzungen und Kündigungen, die viele Spanier hart getroffen haben, profitieren exportorientierte Unternehmen. Modefirmen (Mango, Desigual, Zara), Banken (Santander, BBVA, La Caixa), aber auch Lebensmittel feiern im Ausland Erfolge. Bei Autos ist Spanien nach Deutschland der zweitgrößte Produzent in Europa. Die großen Hersteller (Ford, PSA Peugeot Citroën, Mercedes, Nissan, VW-Seat) sind mit insgesamt 18 Werken vertreten. Österreichs Exporte kommen aus Bereichen wie Autozulieferer, Maschinen und Anlagen, Pharma, Stahl, aber auch erneuerbare Energie und Biomasse. 2013 machten sie knapp 2 Mrd. Euro aus (+4,3 Prozent). Der Vorkrisenrekord von 3,3 Mrd. Euro bleibt außer Reichweite: "Damals konnte man alles verkaufen", sagt Spalek – fast immer auf Pump.

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