Wirtschaft
27.10.2018

S&P senkt Rating-Ausblick für Italien: Rom gibt sich unbekümmert

Premier Conte: "Finanzmärkte werden bald positive Aspekte unserer Budgetpläne begreifen".

Die italienische Regierung zeigt sich über den Beschluss der US-Ratingsagentur Standard & Poor's (S&P) zufrieden, die Bewertung Italiens zunächst bei "BBB" stabil bleiben zu lassen. "S&P hat ihre Bewertung nicht geändert. Wir halten dies angesichts der wirtschaftlichen Stabilität Italiens für richtig", erklärte Premier Giuseppe Conte in der Nacht auf Samstag auf Facebook.

Standard & Poor's (S&P) hat den Rating-Ausblick für Italien am Freitag auf "negativ" von zuvor "stabil" gesenkt. Damit droht dem Euro-Land in einem nächsten Schritt die Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Die Bewertung selbst blieb zunächst bei "BBB" und damit zwei Stufen über dem Ramschstatus. Die Pläne der Regierung belasteten die Wachstumsaussichten Italiens, erklärte S&P.

Italien sei der siebentstärkste Industriestaat der Welt, argumentierte Conte. Die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Unternehmen sei stark, wie der Export bezeuge. Der negative Rating-Ausblick von S&P sei auf Vorurteile gegenüber dem Budgetplan zurückzuführen. Conte zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass Finanzmärkte und internationale Institutionen bald die "positiven Aspekte unserer Budgetpläne" begreifen werden.

Regierung will nichts ändern

Mit dem Budgetplan fördere die italienische Regierung das Wirtschaftswachstum dank Investitionen und tiefgreifender struktureller Reformen. Italien sei fest in der EU verankert und habe keine Pläne, aus der Europäischen Union oder auf dem Euroraum auszutreten, erklärte Conte. "Italiens Rating ist bei 'BBB' stabil geblieben, wir arbeiten weiter. Die Ratingagenturen messen nicht den Wohlstand der Bürger eines Landes", kommentierte auch der italienische Vizepremier und Fünf-Sterne-Chef Luigi Di Maio auf Twitter.

Ebenfalls weiter unbeeindruckt gab sich der zweite Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini. "Wir werden kein Komma am Budgetgesetz ändern", sagte der Lega-Chef bereits am Freitag zu den Warnungen aus Brüssel

Kurs zu Banken schlingert

Die italienische Regierung will laut Di Maio angeschlagene italienische Banken, die hohe Bestände an heimischen Anleihen halten, im Krisenfall nicht retten. "Wir stehen den Banken zwar nahe, doch wir werden für sie keinen Euro der Italiener ausgeben. Wir haben dafür schon zu viel in den letzten Jahren ausgegeben", sagte der Chef der Fünf-Sterne-Partei am Samstag.

Salvini hatte am Freitag dagegen einen Zusammenbruch italienischer Banken ausgeschlossen. "Keine Bank wird zusammenbrechen", versicherte der Lega-Chef. "Wenn jemand denkt, dass er auf Kosten der Anleger und der Italiener spekulieren kann, soll er wissen, dass diese Regierung um jeden Preis ihre Banken, ihre Unternehmen und ihre Wirtschaft verteidigen wird", sagte Salvini nach Medienangaben vom Freitag.

Der Staatssekretär und Lega-Wirtschaftsexperte Stefano Buffagni versuchte ebenfalls zu beruhigen und sagte, die Italiener bräuchten sich um ihre Ersparnisse keine Sorgen machen. "Wir wissen, dass uns intensive Tage und Wochen bevorstehen. Wir werden jedenfalls nicht die Ersparnisse der Italiener gefährden. Wir werden unser Bankensystem verteidigen", erklärte Buffagni.

Die italienische Regierung hatte einen Budgetentwurf vorgelegt, der nicht den Regeln in der Eurozone entspricht. So soll das Defizit im kommenden Jahr bei 2,4 Prozent liegen. Ursprünglich waren 0,8 Prozent zugesagt worden. Der Etat wurde von der EU-Kommission abgelehnt. Bisher haben die beiden regierenden Parteien Lega und Fünf-Sterne-Bewegung nicht die geringste Bereitschaft für ein Einlenken gezeigt. Die Entwicklung könnte auch die ohnehin angeschlagenen italienischen Banken belasten, weil diese hohe Bestände an italienischen Staatsanleihen halten.