© APA/FEHIM DEMIR

Wirtschaft
12/05/2011

S&P: Raiffeisen und Erste mit zu wenig Kapital

Standard & Poor 's bemängelt die zu geringe Kapitalausstattung der Raiffeisen und der Erste Bank. Mittelfristig droht Abstufung.

Die Ratingagentur Standard & Poor 's (S&P) sieht Österreichs Banken unterkapitalisiert. "Nach unseren Modellen rangieren Raiffeisen und Erste Group im internationalen Vergleich relativ weit unten", wird Markus Schmaus, Bankenanalyst von Standard & Poor 's im WirtschaftsBlatt vom Montag zitiert.

Gemessen am S&P-Modell, das das risikogewichtete Kapital ("risk-adjusted capital") heranzieht, ergibt sich dem Bericht zufolge für die Erste ein Wert von 5,6 Prozent, die RZB, die drei Viertel der Raiffeisen Bank International (RBI) hält, komme gar nur auf 4,1 Prozent. Die Ratingagentur fordert die Austro-Institute daher auf, ihre Kapitalstärke zu verbessern. Die Raiffeisen Bank International hat Ende August angekündigt, bis Sommer 2012 eine Kapitalerhöhung durchführen zu wollen. Die Erste will ihre Situation über Gewinnrücklagen verbessern, wie die Bankspitze mehrfach erklärt hat.

Dass S&P für die RZB in ihren Berechnungen per Dezember 2010 nur auf 4,1 Prozent risikogewichtetes Kapital (risk-adjusted capital) kam, schreckt Raiffeisen nicht. "S&P weist regelmäßig niedrigere Quoten aus, dies ist kein Grund zur Sorge", meinte RZB-Sprecher Andreas Ecker. Die private Ratingagentur wende eine eigene Berechnungsmethode an, die von jener der Aufsichtsbehörden deutlich abweiche.

Herabstufung

Herabstufung durch die US-Ratingagentur droht den beiden Großbanken kurzfristig nicht. Sowohl Erste als auch Raiffeisen haben ein A-Rating, allerdings ist jenes von Raiffeisen mit einem negativen Ausblick versehen. "Wir haben aber beide nicht auf der Credit-Watch", erklärt Schmaus in dem Interview. Das heißt, in naher Zukunft sei nicht mit einer Änderung zu rechnen. Mittelfristig will der Analyst dies aber nicht ausschließen.

Das Rating der Banken sei deshalb so hoch, weil sie als systemrelevant gelten, geht aus dem Bericht weiter hervor. "Wir gehen davon aus, dass bei einer Krise der österreichische Staat diese unterstützen würde", erklärt Schmaus. Ohne diesen Status läge das Rating der Raiffeisen-Gruppe bei "BBB+", das der Ersten bei "A-".

Unter "intensiver Beobachtung" stünden zurzeit die Entwicklungen in Ungarn, wo die Regierung Orban Franken-Kreditnehmer zulasten der Banken teilentschulden möchte. "Das sind erhebliche Beträge, mit denen österreichische Institute engagiert sind", gibt der S& P-Experte zu bedenken. Die Erste hat ein Volumen von 3 Mrd. Euro ausstehen, die RBI 1,6 Mrd. Euro.

Während eine Verschärfung der Krise der Euro-Schuldenstaaten dem Zeitungsbericht zufolge die heimischen Institute kaum treffen würde (vor allem das Exposure in Griechenland gilt als überschaubar), wären von einer erneuten Rezession in Westeuropa die Volkswirtschaft in Österreich als auch jene in Osteuropa schwer betroffen. Standard & Poor's: "Das beträfe nicht nur die Ukraine oder andere Randmärkte, sondern auch die Tschechische Republik und die Slowakei."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.