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Wirtschaft
09/26/2012

S&P: Eidgenossen verschärfen Eurokrise

Die Schweizer Nationalbank kaufte laut Ratingfirma im großen Stil Anleihen starker Euro-Länder - und trage damit zur Krise in der Eurozone bei.

Die Schweiz, eine Insel inmitten der Eurozone? Keineswegs. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kauft nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor`s im ganz großen Stil Anleihen starker Euro-Länder wie Deutschland, Holland, Finnland oder Österreich. Damit verteilt sie indirekt auch Geld von den Krisenländern in die Kern-Eurozone um.

Doch von Beginn an: Seit die Schuldenkrise tobt, fließt immer mehr Kapital in die Schweiz, auf Schweizer Banken. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie von S&P nun belegt, kommt das Geld zu einem bedeutenden Teil aus Euro-Krisenländern wie Griechenland oder Spanien. Der Grund ist klar: Sparer wollen ihr Geld in Sicherheit bringen.

Die Schweiz importiere also seit 2008 netto Kapital. Davor war die Schweiz tendenziell eher ein Kapitalexporteur gewesen.

Diese Mittel investieren die Schweizer Währungshüter laut S&P zu einem bedeutenden Teil in Staatsanleihen von Euroländern, die nach wie vor über ein solides Bonitätsrating verfügen. Es sind dies Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Finnland und Österreich.

S&P schätzt, dass die SNB von Anfang 2012 bis Juli 2012 auf diesem Wege Regierungsobligationen dieser Länder in Höhe von 80 Mrd. Euro gekauft hat. Dies entspricht knapp der Hälfte des durch Anleihen gedeckten Finanzbedarfs dieser Staaten. Die SNB selbst gibt keine Details darüber bekannt, wie sie ihre Reserven bewirtschaftet.

"Recycling"

Die Käufe der SNB tragen nun laut S&P "bedeutend" dazu bei, dass die Zinsen für deutsche, französische, niederländische, finnische und österreichische Anleihen sinken. Diese reduzierten sich, gemessen an einem Mehrjahresmittelwert, von 3,04 Prozent im Vorjahr auf 2,15 Prozent im bisherigen Jahresverlauf 2012.

Indem die SNB dieses "Recycling" von Euros betreibt, trägt sie laut S&P zu den Ungleichgewichten in der Eurozone bei. Die Zinsen von Ländern mit großen Wirtschafts- und Schuldenproblemen erreichten in den vergangenen Monaten mehrfach kritisch hohe Niveaus, was das Misstrauen der Finanzmärkte widerspiegelt.

Spanien

Als Folge driften die Zinssätze immer weiter auseinander. Während etwa Spanien gewaltige Renditeaufschläge auf seine Anleihen zahlen muss, gehen deutsche Staatspapiere fast zum Nulltarif weg, wie Spiegel Online schreibt.

Was für Länder wie Deutschland ein gutes Geschäft ist, verschärft die Krise in den pleitebedrohten Staaten nur noch mehr.

Im Fokus steht derzeit vor allem Spanien. Um die Lage zu stabilisieren, und weil große Investoren vorsichtig geworden sind, kauft die Europäische Zentralbank (EZB) in einem nicht unumstrittenen Programm Anleihen von Euro-Krisenländern auf, umso die Zinslast für diese Staaten zu senken.

Anfang September hatte EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigt, die Zentralbank werde zur Bekämpfung der Krise uneingeschränkt Anleihen kaufen.

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