Wirtschaft 09.01.2012

Singer: Griechen sollen Eurozone verlassen

© Bild: RTS/PETR JOSEK

Nur wenn Europa zu massiver Finanzhilfe bereit ist, wäre ein Verbleib Athens bei der Eurozone sinnvoll, so der Notenbankchef Tschechiens.

Für Griechenland wird es immer enger. Eine Woche vor neuen Kontrollen der internationalen Geldgeber mehren sich die Zweifel, ob die bisher geplanten Sanierungspläne im Kampf gegen die Staatspleite ausreichen. Wie der Spiegel am Wochenende berichtete, glaubt der Internationale Währungsfonds (IWF) als einer der Haupt-Geldgeber nicht, dass Griechenland auf Basis der bisherigen Pläne seine Schulden dauerhaft tragen könne.

Damit werden erneut Stimmen laut, die Griechenland einen Austritt aus der Eurozone nahelegen. Horst Seehofer hatte sich erst am Sonntag im deutschen Radio erneut für den Ausschluss notorischer Defizitsünder aus der Eurozone ausgesprochen. "Als letztes Mittel (...) muss das Ausscheiden auch möglich sein“, meinte der bayerische Ministerpräsident. Im Hinblick auf Griechenland sagte er, es erscheine unter ökonomischen Gründen durchaus möglich, dass eine Volkswirtschaft mit zwei Prozent Anteil am Sozialprodukt ohne negative Auswirkungen auf die europäische Integration aus der Eurogruppe ausscheide.

Eine Ansicht, die der tschechische Zentralbank-Gouverneur Miroslav Singer teilt, sollten die Hellenen seiner Meinung nach aus der Währungsunion ausscheiden und ihre neue Währung abwerten - außer Europa wäre bereit, dem hoch verschuldeten Land massive Finanzhilfe zu gewähren. "Wenn es nicht den Willen gibt, Griechenland eine sehr große Geldmenge aus europäischen Strukturfonds bereitzustellen, sehe ich keine andere Lösung als den Austritt aus der Eurozone und eine massive Abwertung der neuen griechischen Währung", sagte Singer in dem am Montag erscheinenden Interview mit der Tageszeiung Hospodarske Noviny.

Die bisher an Griechenland geleistete Finanzhilfe habe für Singer vor allem dazu gedient, Zeit zu kaufen, und es reichen Griechen ermöglicht, ihr Geld ins Ausland zu bringen. Das habe das Vertrauen in Europa geschwächt und die Bereitschaft nicht europäischer Länder gesenkt, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) frisches Kapital für die Hilfe an die Europäer zur Verfügung zu stellen.

Rekapitalisierung der Banken

Anstatt sich jahrelang auf Athen zu konzentrieren, sollte sich Europa vielmehr um seine Banken kümmern, die eine Rekapitalisierung bitter nötig hätten, sagte Singer weiters. "Wir müssen aufhören, so zu tun, als würden wir die Banken nie mehr rekapitalisieren". In Zusammenhang mit der Griechenland-Krise werde es möglicherweise notwendig sein, bedeutende Geldsummen auch in sehr große Banken zu stecken, die unter Verlausten leiden. "Es ist nötig, sich sofort auf das Banken-Problem zu konzentrieren."

Erstellt am 09.01.2012