Haushaltsgeräte raus, Öl- und Gasfracking rein

Das Siemens-Logo vor einem modernen Bürogebäude.
Technologiekonzern Siemens kauft Öl- und Gasförderausrüster Dresser-Rand. Kooperation mit Bosch wird beendet.

Der deutsche Elektronikriese Siemens baut kräftig um: Der Anteil am jahrzehntelangen Gemeinschaftsunternehmen BSH mit Bosch wird verkauft. Die rund drei Milliarden Euro, die dieser Ausstieg aus dem Haushaltsgeräte-Geschäft in die Kassen spült, werden ein Teil eines großen Zukaufs in den USA sein.

Dort wird Siemens den in Texas beheimateten Kompressorenhersteller Dresser-Rand kaufen. Das Investment ist dem deutschen Konzern umgerechnet sechs Milliarden Euro wert. Lange hatte Siemens wegen der hohen Bewertung des Turbinenerzeugers vor dem Kauf zurückgeschreckt. Aber ausgerechnet das Gebot des Schweizer Siemens-Konkurrenten Sulzer unter Siemens-Ex-Boss Peter Löscher brachte den Münchner Elektronikkonzern in Zugzwang. Montag Nacht gab er schließlich bekannt, das US-Unternehmen zu kaufen.

Damit gelingt es Siemens, am boomenden US-Öl- und Gasgeschäft, dem "Fracking", mitzunaschen. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte für die Expansion in die US-Energieindustrie extra die ehemalige Shell-Managerin Lisa Davis engagiert. Sie ist die Chefin der Siemens-Energiesparte in den USA mit Sitz in Houston, Texas. Von dort startet Siemens nun die Aufholjagd. Mit der Übernahme von Dresser-Rand rücken die Münchner dem US-Konkurrenten General Electric in der Energiesparte etwas näher.

Glücklos mit Wind

Der Energiebereich von Siemens war zuletzt wenig erfolgsgekrönt. Das Geschäft mit Offshore-Windrädern lief nicht wie erwartet. So musste Siemens etwa für einen Windpark in der Nordsee, der mangels Leitungen nicht in Betrieb gehen konnte, Hunderte Millionen Euro abschreiben. In Texas hofft der Konzern nun auf mehr Glück.

Ein grüner Bosch IXO Akkuschrauber mit rotem Knopf.
Der Exzenteraufsatz lässt sich ebenso leicht wechseln wie die bekannten Winkel- oder Drehmomentaufsätze. Damit setzt sich die Ixo-Erfolgsgeschichte fort: Nach über acht Millionen verkauften Exemplaren seit 2003 steuert der Ixo mit seinen erweiterten Funktionen die nächste Rekordmarke an.
Vom direkten Geschäft mit Privatkunden verabschiedet sich Siemens dagegen. Die Haushaltsgeräte-Sparte ging restlos an Bosch. Der Markenname Siemens für Waschmaschinen, Backöfen oder Bügeleisen wird aber noch einige Jahre hindurch bleiben.

Mit Übernahmen ging es Siemens in den vergangenen Jahren nicht immer gut. Der Kauf der Labordiagnostik für elf Milliarden Euro brachte den Münchnern hohe Abschreibungen ein. Die Übernahme des Solarspezialisten Solel endete im Fiasko.

Dresser-Rand ist ein US-Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie. In dem Geschäft sieht Siemens-Chef Joe Kaeser eine große Zukunft und hat in den USA auch den Hauptsitz der Siemens-Energiesparte angesiedelt. Am 1. August übernahm die frühere Shell-Managerin Lisa Davis dort die Führung.

Dresser-Rand beschäftigt 8.100 Mitarbeiter. Das Unternehmen verfügt über 14 Produktionsstätten in acht Ländern. Die beiden Hauptsitze befinden sich in Houston (Texas) und in Paris. Das Unternehmen blickt auf eine jahrhundertelange Tradition im Kompressorenbau zurück.

Der US-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von 3,03 (Vorjahr 3,16) Mrd. Dollar. Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von 168 Mio. Dollar (Vorjahr 179 Mio. Dollar).

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