Wirtschaft
04.05.2018

„Schwarmintelligenz“: Genossenschaft im Digital-Zeitalter

Jahrestagung: Erwin Hameseder als Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien bestätigt - Fokus auf Jugend und Zukunft.

Werden wir künftig Geräten mehr vertrauen als Menschen? Künstliche Intelligenz diagnostiziere Lungenkrebs auf Röntgenbildern um bis zu zwei Jahre früher als Radiologen, sagt Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky. Sie berechnet Verkehrsströme 45 Minuten im Voraus und verhindert so in Peking Staus. Sie fällt in 80 Prozent der Fälle dasselbe Urteil wie der Europäische Gerichtshof. Und sie kann dem Benutzer einer Toilette diagnostizieren, dass er zu 23 Prozent krank ist – und wie er gesünder wird.

Wenn datengestützte Vorhersagen den Alltag bestimmen, was wird aus einer Bank, die sich das Vertrauen ihrer Kunden auf die Fahnen heftet? Die Rolle von Genossenschaften ändere sich, sagte Jánszky am Freitag bei der Raiffeisen-Jahrestagung in Wien. Bisher bestand der Solidaritätsgedanke darin, gemeinsam für Schäden einzustehen und sie zu reparieren. Künftig sei das Ziel, Schäden überhaupt zu vermeiden. „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“: Das Zitat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der vor 200 Jahren geboren wurde, sei somit höchst aktuell.

Fokus auf die Jugend

Das Ergebnis 2017 habe eine „sehr gute Basis für die Zukunft“ gelegt, in der mit der Digitalisierung enorme Herausforderungen warten, sagte Klaus Buchleitner, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank NÖ und Wien. Er habe oft den Eindruck, eher ein IT-Unternehmen zu leiten als eine Bank. Sein eigener Vorsatz war, Programmieren – oder Hacken – zu lernen. Fazit: „Es ist nicht einfach.“ Allerdings lasse sich Raiffeisens Motto modern abkürzen: „ Schwarmintelligenz“.

Die Genossenschaft sei eine „probate Antwort auf die Globalisierung“, betonte Erwin Hameseder, der mit 99,1 Prozent für sechs Jahre als Obmann der Raiffeisen-Holding bestätigt wurde. Noch heuer würden Initiativen in drei Bereichen – Infrastruktur, Wohnen/Leben/Arbeiten und Jugend – gestartet. Hameseder will erreichen, dass ab 2025 mindestens 25 Prozent der Funktionäre 35 Jahre oder jünger sind.

Die Regulierung sei „in einigen Bereichen eine Strangulierung“, sagte Finanzminister Hartwig Löger und versprach, bei der Aufsichtsreform ein Augenmerk auf Sachverstand zu legen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner strich die „enge und gute Partnerschaft“ für den ländlichen Raum, Kultur und Wissenschaft hervor.