Schuldenkrise: Geldgeber lassen Griechen zittern

Bekommt Athen bis Mitte Oktober den nächsten EU-Kredit nicht, ist es pleite. Die Financiers pochen auf größeren Sparwillen.
Schuldenkrise: Geldgeber lassen Griechen zittern

Sie kommen wieder nicht: Die Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) - die sogenannte Troika - wurden Montag in Athen erwartet, um die Umsetzung der Sparmaßnahmen in Griechenland zu prüfen. Doch am Wochenende wurde die Reise aufgeschoben. Es soll aber zumindest eine Telefonkonferenz mit dem griechischen Finanzminister stattfinden.

Der Bericht der Troika ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem EU-Rettungsschirm und dem IWF. Geplanter Termin ist der 14. Oktober. An diesem Tag sollen acht Milliarden Euro an Athen überwiesen werden. Sonst ist das Land pleite. Als Sparmaßnahmen akzeptiert werden von der EU nur mehr klare, vom Parlament beschlossene Reformen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble warnte Griechenland davor, die Drohungen vom Zahlungsstopp nicht ernst zu nehmen.

Dass die Lage ernst ist, hat der griechische Ministerpräsident Giorgis Papandreou wohl erkannt. Am Samstag brach er seine USA-Reise ab und kehrte nach Athen zurück.

Falscher Weg?

Für immer mehr Ökonomen aber ist der Sparweg der EU der falsche. Gerade Länder wie Deutschland und Österreich, die sich derzeit so günstig wie praktisch nie verschulden können, sollten dies auch tun, meinen die Experten.

Friedrich Strasser, Mitglied des Vorstandes der Bank Gutmann, schlägt in dieselbe Kerbe: "In Wirklichkeit müsste man angesichts des billigen Geldes die Schulden jetzt aufblasen." Fließen sollte das Geld etwa in Infrastruktur-Projekte. Das schaffe Jobs und Wirtschaftswachstum. Kommt der Kern der Eurozone konjunkturell in Schwung, würden auch Peripherieländer wie Griechenland davon profitieren.

Strasser und sein Kollege in der Veranlagungsstrategie, Nikolaus Görg, sind überzeugt, dass "es die Eurozone weiter geben wird". Die Gefahr eines Zerfalls habe jedoch zugenommen. Anleger, die sich für europäische Staatsanleihen interessieren, sollten daher vor allem auf traditionelle Hartwährungsländer setzen.

Aktien hat die Bank derzeit noch "untergewichtet". Als Kauftipps gelten die Titel großer Nahrungsmittelkonzerne (wie Nestlé oder Unilever) und Kraftwerksbetreiber.

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