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Wirtschaft
09/02/2019

Schulanfang: Für Libro ist jetzt Weihnachten

Schüler bleiben der Handelskette treu, Unterhaltungswütige aber nicht

von Thomas Pressberger

Für die Papier- und Schreibwarenhandelskette Libro sind diese Tage wie Weihnachten. An keinen anderen Tagen sind die Filialen so voll wie zu Schulbeginn. „Montag, Dienstag und Mittwoch geht’s richtig rund, wir schauen, dass da möglichst alle Kollegen da sind“, sagt Libro-Geschäftsführer Michael Kremser.

Diese Zeit sei für alle fordernd, nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter. Auch wenn der Höhepunkt rund um den Schulbeginn liegt, dauert der Ansturm dennoch von Mitte August bis Mitte September. In dieser Zeit verbucht Kremser den doppelten Umsatz eines durchschnittlichen Monats. Weihnachten sei natürlich auch wichtig, auch Ostern und Halloween, doch sei keiner dieser Anlässe vergleichbar mit dem Geschäft zum Schulbeginn.

Stabile Säule

Dieses ist für die Handelskette eine wichtige, weil stabile Säule. „Bei gleichbleibender Schülerzahl können wir den Umsatz leicht steigern“, sagt Kremser. Die Nachfrage sei zwar durch die relativ konstanten Anforderungen der Schule getrieben, dennoch gebe es immer wieder neue Trends und Tendenzen. „Zurzeit schauen die Eltern zum Beispiel auf qualitativ gute Schultaschen“, sagt Kremser. Ergonomisch müssten sie sein, auch sollten sie Reflektoren für mehr Sicherheit am Schulweg haben.

Druck wächst

Besonders gefragt sind auch individualisierte und personalisierte Produkte wie Jausenboxen oder Malfarbenschachteln mit einem persönlichen Schriftzug. Und Services, wie Kremser sagt. Gestresste Eltern wollen bei einem einzigen Einkauf alles bekommen und nicht noch andere Geschäfte aufsuchen müssen.

Noch lieber ist es manchen, wenn sie gar nicht ins Geschäft kommen müssen. Mittlerweile können handgeschriebene Listen auf der Libro-Homepage hochgeladen und das volle Einkaufssackerl im Geschäft abgeholt werden, man kann es sich aber auch schicken lassen.

Musikgeschäft bricht ein

Während das Schulgeschäft stabil ist, wächst der Druck auf Multimediaartikel, von denen Libro früher stark profitiert hat. „Die gehen vom Volumen her zurück“, sagt Kremser. Betroffen sind vor allem DVD, BlueRay, CD und Playstations. Musik, Filme und Computerspiele würden zwar nach wie vor konsumiert, jedoch auf anderem Wege. Filme und Musik über Streaming-Plattformen wie Netflix und Spotify, Computerspiele über verschiedene Gaming-Plattformen.

Umsatzrückgang

Seit 2010 geht der Umsatz von Libro mit Ausnahme eines Jahres kontinuierlich zurück. Betrug er damals noch 267,8 Millionen Euro, so lag er 2018 bei 210,8 Millionen Euro. Der Gewinn schwankte zwar in den vergangenen fünf Jahren immer wieder, blieb jedoch im Schnitt bei etwas unter zwei Millionen Euro und zeigte keinen Abwärtstrend.

„Wir versuchen derzeit, das Sortiment zu ersetzen“, sagt Kremser. Das gelinge umsatzseitig nur zum Teil, eine höherpreisige Playstation lasse sich nicht so leicht substituieren. In den vergangenen vier Jahren musste Libro wegen dieser Entwicklung 25 Filialen zusperren, derzeit gibt es noch 220.

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Sein Glück will das Unternehmen in Zukunft im Bereich Schenken finden, unter anderem mit Verpackungen, Glückwunschkarten und Dekor. Individualisierte Produkte und ein guter Online-Shop werden ebenfalls eine Rolle spielen, meint Kremser.