© Elisabeth Holzer

Wirtschaft
06/24/2019

Schmucke Jung-Unternehmerinnen

Klagenfurter Schülerinnen überzeugten als Schmuck-Designer und fahren zu Europa-Bewerb

„Im Moment läuft die Produktion auf Vollgas“, schmunzelt Sophie und präsentiert das Sortiment. Ohrringe, Armbänder und Halsketten stellt Kärntens wohl jüngste Firma her: Die findigen Köpfe hinter den „Stodtbluamlan“ sind zwischen 17 und 20 Jahre alt und gehen noch zur Schule.

Die „Stodtbluamlan“ sind eine von rund 350 Junior Companys, die heuer in österreichischen Schulen gegründet wurden. „Unser Ausgangspunkt war, Wirtschaft in die Schulen zu bringen und zwar so realistisch wie möglich“, sagt Projektleiterin Milica Markovic. Die Idee wurde 1995 als Versuchsballon gestartet und bereits 1997 als Verein etabliert. Seither haben rund 40.000 Schüler Juniorunternehmen auf die Beine gestellt. Keine virtuelle Spielerei, denn „da geht es um echtes Geld, echte Kunden, echte Produkte und Dienstleistungen“, macht Markovic deutlich. „Das ist wichtig.“

Wie eine AG

Die Schüler werden dabei von Lehrern begleitet, im Fall der „Stodtbluamlan“ von Elke Wernegger und Verena Horacek, beide unterrichten Unternehmensmanagement. „Wenn man in der dritten Klasse Kostenrechnung macht und dann bei dem Projekt in der vierten Klasse wirklich rechnet, ergibt sich daraus schon ein richtig guter Konnex“, betont Horacek. Ein Unterrichtsjahr lang hatten die elf Mode-Schülerinnen ihre kleine Aktiengesellschaft: Sie gaben Anteilsscheine aus, um Startkapital zu lukrieren, besorgten Ware, um zu produzieren, verkauften auf Weihnachtsmärkten und präsentierten ihren Schmuck in sozialen Medien. Ihr Startkapital betrug rund 400 Euro; Geld, das sie selbst durch die Anteilscheine zu je zehn Euro aufbrachten. Ein Modell, mit dem sich die Pädagoginnen identifizieren. „Eine rein fiktive Übungsfirma geht für uns gar nicht“, überlegt Wernegger. „Das ist zu wenig real.“

Wie in einem echten Unternehmen waren auch die Aufgaben der „Stodtbluamlan“ verteilt: Annalena Petschacher und Marie Christin Schlager fungierten als Geschäftsführerinnen, Anna Reimer, Sophie Rumpold und Angelique Waltl waren für Marketing und Verkauf zuständig. Rechnungswesen betrieben Ina Pichorner, Laura Schwärzli und Milena Mero, für Einkauf und Produktion waren Nadine Kapeller, Selina Huss und Mervdie Nsandi zuständig.

Wobei produziert haben alle Schülerinnen, also gestickt und genäht: „Wir haben sehr viel natürlich von unsere Freizeit geopfert“, überlegt Annalena. „Unser größtes Problem war das Zeitmanagement, um punktgenau zu produzieren.“

Alte Kunst neu gemacht

250 Schmuckstücke hat die Gruppe über das Unterrichtsjahr verkauft, der Umsatz betrug rund 2.000 Euro. Die Idee, ausgerechnet Ohrringe, Armbänder und Amulette auf Grundlage eines bestimmten Stoffes dem Klagenfurter Stadtplanstoff zu erzeugen, kam schnell und zwar von Selina, einer begeisterten Stickerin. „So einen Schmuck hat es in Österreich noch nicht gegeben“, ist Annalena überzeugt. „Uns war wichtig, alte Handwerkskunst neu aufleben zu lassen. Schmuck und Sticken liegen ja im Trend.“

Damit haben die Schülerinnen des WI’MO Klagenfurt auch Juroren überzeugt. Die „Stodtbluamlan“ wurden nicht nur Kärntner Landessieger, sondern gewannen kürzlich auch den bundesweiten Bewerb. Jetzt geht es erst so richtig los für die jungen Frauen: Sie vertreten Österreich ab 3. Juli in Lille beim Europa-Bewerb, wo sie gegen 40 andere Juniorunternehmen antreten.

Was danach mit den „Stodtbluamlan“ passiert, wissen die Jung-Unternehmerinnen noch nicht. Professorin Wernegger hofft, dass das Projekt nicht einschläft. „Für uns wäre es ein Traum, wenn sie da jetzt dran bleiben würden.“ Tatsächlich liebäugeln die Schülerinnen damit und denken auch eine Produktlinie für Männer an, Manschettenknöpfe beispielsweise. Aber fürs Erste sind einmal Ferien, dann das Maturajahr, danach Einstieg ins Studium oder Beruf. „Die Junior Company war ein richtig guter Start“, sinniert Milena. „Darauf kann man sicher einmal zurück greifen.“