PRO-GE und GPA-djp fordern Voith auf Verantwortung zu zeigen.

© /Franz Hagl

St. Pölten
02/03/2015

Voith: Gewerkschaften fordern neuen Sozialplan

Kritik an Praxis deutscher Konzerne: "Wieder einmal wird ein gewinnbringender Standort einfach geschlossen."

Nach den am Montag vom deutschen Maschinenbauer Voith angekündigten massiven Einschnitten (Details: siehe unten) haben die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp die sofortige Aufnahme von Verhandlungen über einen neuen Sozialplan für die von der Schließung betroffenen rund 200 Beschäftigten von Voith Paper in St. Pölten gefordert. Der bestehende, wegen eines Stellenabbaus beschlossene Sozialplan sei nicht ausreichend.

Vor vollendete Tatsachen gestellt

Kritisiert wurde weiters die unterlassene Information gegenüber dem Betriebsrat. Wieder einmal werde von einem deutschen Konzern ein "gewinnbringender Industriestandort einfach geschlossen" und die Belegschaft wie 2014 bei KBA-Mödling vor vollendete Tatsachen gestellt. Die rechtlich gesicherten Mitwirkungsrechte des Betriebsrates, um die Folgen der Schließung für die Mitarbeiter abzufedern, seien einzuhalten und die Verhandlungen für einen Sozialplan rasch aufzunehmen. "Das Unternehmen muss nun Verantwortung zeigen", sagten die Gewerkschafter Patrick Slacik (PRO-GE) und Peter Stattmann (GPA-djp).

Voith schließt St. Pöltener Papiermaschinenwerk

Der deutsche Maschinenbaukonzern Voith stellt die Papiermaschinenaktivitäten von Voith Paper in St. Pölten ein. Dadurch fallen 150 Stellen an dem Standort weg, teilte das Unternehmen am Montag mit. Am Wochenende hatte die Gesellschafterversammlung, in der die Nachfahren des langjährigen Patriarchen Hanns Voith vertreten sind, getagt und einen weitreichenden Umbau des Konzerns in die Wege geleitet. Insgesamt werden in Deutschland und Österreich rund 800 Stellen in der Papiermaschinensparte gestrichen.

Neben St. Pölten sind auch die deutschen Voith-Paper-Standorte in Krefeld und Neuwied mit einem Abbau von 200 Stellen betroffen. Am Standort Heidenheim sollen rund 300 Stellen wegfallen, in Ravensburg insgesamt 150 Stellen.

Das Marktvolumen für Neuanlagen und Großumbauten in der Papierindustrie habe sich deutlich verringert, heißt es vom Konzern. Bereits vor zwei Jahren hatte Voith deshalb knapp 1.000 Stellen in der Papiermaschinenherstellung gestrichen. Nun werden weitere Kapazitäten gebündelt und reduziert - auch die Verwaltung ist betroffen.

Sozialplan

Am 31. März 2016 ist das Produktionsende im Bereich Walzenbau geplant, sagten die Geschäftsführer Bernd Stibi und Bettina Probst. Der Mitarbeiterabbau soll auf Basis des existierenden Sozialplans erfolgen. Wie bei der jüngsten Umstrukturierung gehe es dabei u.a. um Frühpensionierungen oder Altersteilzeit. Man werde sich bemühen, so sozialverträglich wie möglich vorzugehen, das sei in der Vergangenheit auch gelungen, hieß es. Die vorhandenen Aufträge würden abgewickelt. Voith Paper St. Pölten zähle aktuell 200 Beschäftigte. Für 50 davon gebe es Transferangebote, wobei die Betroffenen allerdings großteils übersiedeln müssten.

Mit Voith Hydro und Turbo, die aktuell 280 bzw. 50 Beschäftigte zählen, bleibe der Standort erhalten, wurde betont.

Konzernumbau

Der Umbau des Voith-Konzerns betrifft nicht nur den Papier-Bereich. Die Sparte Industriedienstleistungen soll abgestoßen werden, um nach eigenen Angaben die Weichen für das digitale Zeitalter und die "Industrie 4.0" zu stellen. Vom Verkauf des Konzernbereichs sind weltweit rund 18.000 Mitarbeiter betroffen, fast die Hälfte aller Voith-Beschäftigten. Für Voith Industrial Services, das einen "profitablen Umsatz" von rund 1,2 Mrd. Euro erlöste, solle "ein werterhaltender Verkaufsprozess" angestoßen werden, teilte der Konzern mit. Der CEO dieses Geschäftsbereiches, Martin Hennerici, werde das Unternehmen "auf eigenen Wunsch" verlassen. Ihm folge Markus Glaser-Gallion nach, bisher für den Bereich Automotive verantwortlich.
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