Die Top Ten der Steueroasen

Das Tax Justice Network veröffentlicht seit 2009 eine Liste der Top-Steueroasen. Eine Übersicht.

Zwischen 21 und 32 Billionen Dollar (bis zu 26.230 Mrd. Euro) werden von den Reichen in Steueroasen gebunkert. Das Tax Justice Network veröffentlicht seit 2009 eine Liste der Top-Steueroasen - eine Übersicht. Österreich ist in der Liste auf Platz 17 zu finden und wird als "Verdunkelungsoase" bezeichnet. Das Bankgeheimnis und Österreichs Blockade des automatischen Informationsaustausches über Zinserträge in der EU führten zu der schlechten Platzierung. Kritisiert wird auch die Offenlegungspflicht. Der FSI hält ausdrücklich fest, dass Österreich "einen langen Weg vor sich hat", um die als transparent geltenden Finanzplätze einzuholen. Platz 9: Bahrain gilt als Paradies für Steuerzahler: Der Inselstaat hebt weder Einkommens-, Vermögens- noch Gewinnsteuern ein. Mehrwertsteuer fällt nur für Benzin an. Bahrain hat sich in den letzten Jahren zum größten Finanzumschlagplatz im Nahen Osten entwickelt. TJN kritisiert mangelnde Transparenz bei Unternehmensansiedlungen. Platz 8: Deutschland ist von seinen gesetzlichen Bestimmungen her zwar als transparent einzustufen, doch verliert das Land durch die Größe des Finanzzentrums Frankfurt, heißt es im FSI. Neben der Größe haben das strikte Bankgeheimnis, laxe Kontrollen und Steuervergünstigungen für Anleger aus dem Ausland Deutschland den zweifelhaften Spitzenplatz eingebracht. Laut TJN begünstigt Deutschland so Kapitalflucht, Geldwäsche und Steuerhinterziehung auf globaler Ebene. Platz 8: Japan hat – ähnlich wie Deutschland – trotz internationaler Anerkennung einen unrühmlichen Platz in der Steuer-Oasen-Liste. Geheimhaltungsgesetze in Bezug auf das Banken- und Finanzwesen und die Etablierung eines eigenen japanischen Offshore-Markts im Jahr 1986 sind dafür verantwortlich – sowie eine relative Steuerfreiheit für ausländische Investoren. Platz 7: Jersey - Nur 45 Minuten per Flugzeug von London entfernt, ist die größte der Kanalinseln auch als „Offshore Magic Circle“ bekannt: Hedgefonds und Schattenbanken mit Konnex nach Großbritannien haben dort ihren Sitz. Auch Meinl European Land hatte dort seinen Sitz. Steuerlich ist es besonders geldsparend, sich dort zu betätigen: Es gibt nämlich ausschließlich eine äußerst geringe Mehrwertsteuer. Platz 6: Singapur - Die ehemalige britische Kronkolonie hat sich vor allem einen Namen als Finanzplatz im privaten Gesundheitssektor gemacht. Der dortige Finanzmarkt ist bereits 1998 liberalisiert worden, Steuergesetze gibt es kaum. Daten werden so gut wie keine ausgetauscht – zudem verfügt der Staat über beste Kontakte in die Schweiz, speziell zur Bank UBS, so der FSI. Platz 5: USA - Die größte Wirtschaftsmacht der Welt ist zugleich Steuerparadies – zumindest für Ausländer: Laut FSI gilt zumeist Geheimnisstatus bei Bankgeschäften für Nicht-US-Bürger – und eine relative Steuerfreiheit. Versuche, Zinserträge ausländischer Bankkunden in den USA normal zu versteuern, sind an der Bankenlobby gescheitert. Platz 4: Hong Kong - Der Finanzplatz Hong Kong hat aufgrund seines Sonderstatus in der Volksrepublik China besonderen Reiz für die Finanzwirtschaft – vor allem bei Offshore-Produkten. Laxe steuerliche Rahmenbedingungen - Einkünfte und Erträgen werden nur dann besteuert, wenn diese in Hongkong entstanden sind - und eine gute Verbindung zur Großbritannien tun ihr Übriges; auch das Bankgeheimnis ist in Hongkong gesetzlich verankert. Platz 3: Luxemburg - 149 Banken, fast ausschließlich Tochtergesellschaften oder Niederlassungen großer ausländischer Banken, sind in Luxemburg registriert. Ihr Haupttätigkeitsfeld ist die Fondsindustrie; angesiedelt haben sich die Institute wegen der dort geltenden vorteilhaften gesetzlichen Rahmenbedingungen – Stichwort: Bankgeheimnis. Platz 2: Kaiman-Inseln - Unzählige Unternehmen, Banken und Hedge Fonds haben auf den kleinen Inseln in der Karibik ihre Heimat gefunden – dort gibt es nämlich weder Einkommens- noch Unternehmenssteuer. Die Inselgruppe ist der fünftgrößte Finanzplatz der Welt; 40 Prozent aller weltweit tätigen Hedge-Fonds sitzen dort. Platz 1: Schweiz - Auf Platz eins der Liste findet sich Österreichs Nachbarstaat: Die Schweiz gilt als das Steuerparadies schlechthin. Die Hauptgründe dafür: das relativ strenge Bankgeheimnis und der Status als neutrales Land – trotz erster Schritte wie des erst kürzlich abgeschlossenen Steuerabkommens mit Österreich.

Zwischen 21 und 32 Billionen Dollar (bis zu 26.230 Mrd. Euro) werden von den Reichen in Steueroasen gebunkert. Dadurch entgehen den Staaten Einkommensteuern in Höhe von bis zu 280 Milliarden Dollar, belegen Zahlen des Tax Justice Network (TJN, Netzwerk für Steuergerechtigkeit). Die Weltbank schätzt, dass bis zu 1,6 Billionen US-Dollar jährlich illegitim über Grenzen hinweg verschoben werden.

Das Netzwerk für Steuergerechtigkeit ist eine NGO, die sich den weltweiten Kampf gegen die Steuerflucht auf die Fahnen geheftet hat. Seit 2009 veröffentlicht sie alle zwei Jahre den "Schattenfinanzindex" (Financial Secrecy Index, FSI) - eine Liste mit den 73 intransparentesten Finanzplätzen. Der aktuelle Report stammt aus dem Herbst 2011.

Die wichtigsten Schattenfinanzzentren

Die Studie verwendet Daten der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Vereinten Nationen und der Zentralbanken. Untersucht werden nur Finanzvermögen. Sachvermögen wie Immobilien, Goldbestände, Jachten und Rennpferde etwa werden nicht berücksichtigt.

Gelistet werden im Index Schattenfinanzzentren nach dem Grad ihrer Geheimhaltung und ihrem Anteil am Weltmarkt für grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen. Zu wichtigsten Kennzeichen gehören dabei das Bankgeheimnis, intransparente Eigentümerstrukturen bei Trusts, Treuhandschaften und Stiftungen sowie mangelnde Kooperation von Seiten der Behörden.

Die TopTen und Österreich

(APA, Reuters, dpa / js/ep) Erstellt am
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