Sägewerk Gams GmbH ist pleite

Ein Stapel von Baumstämmen unterschiedlicher Größe mit Markierungen.
Holzexporteur kann wegen IS-Terror nicht mehr nach Syrien und in den Irak liefern.

Die Sägewerk Gams GmbH, die zuletzt von den 23 Mitarbeitern nur noch sechs beschäftigte, hat laut dem Gläubigerschutzverband AKV ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Den Gläubigern wird 20 Prozent geboten. Das Unternehmen soll vorerst fortgeführt werden. Aber die Produktion soll geschlossen, und nur der Handel weiter betrieben werden.

Im Jahr 2012 hat Esam Mustafa Ali, der aktuelle Geschäftsführer, das Unternehmen mehrheitlich (94 Prozent) über Empfehlung seiner damaligen Hausbank übernommen. Esam Ali hat zuvor schon Holz in den Irak und nach Syrien verkauft, später kamen erste Aufträge aus Saudi Arabien dazu, heißt es im Insolvenzantrag. Daher ließ er eine Trockenkammer errichten, damit man auch das eingekaufte Holz entsprechend bearbeiten konnte.

Anlaufsschwierigkeiten

„Durch die damals noch hohen Einkaufspreise und durch Kursverluste sind Anfangsverluste eingetreten“, zitiert der AKV aus dem Antrag. „Danach begann der Handel zu florieren und im Herbst 2013 wurde eine zweite Trockenkammer angeschafft.“ Nachsatz: „Der Vollbetrieb der Produktion wurde im Jahr 2014 aufgenommen.“ Ab Jänner 2014 wurden etwa 3000 Festmeter Holz nach Saudi Arabien exportiert. Der Umsatz 2013 betrug rund 1,3 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2014 wurde schon fast eine Million Euro erwirtschaftet. „Die Auftragslage war gut und es lagen kurzfristig Bestellungen aus dem Irak vor", heißt es weiter.

Terrormiliz IS

„Mitte des Jahres 2014 wurden aufgrund der Kämpfe, Stichwort Terrormiliz IS, sämtliche Bestellungen aus dem Irak und aus umliegenden Ländern wie Syrien storniert und keine Zahlungen mehr geleistet wurden“, heißt es im Antrag weiter. „In der Folge teilte auch der Hauptkunde in Saudi Arabien mit, dass er wegen der Krisenlage, vor allem im Irak, keine Bestellungen mehr tätigen könne, weil er selbst derzeit in die Länder Irak und Syrien nicht mehr liefern könne.“ Das Holz in Österreich an den Mann zu bringen, gelang dem Sägewerk aber nicht.

Ende Juli 2014 trat daher ein Finanzierungsengpass ein. Letztendlich hat die damalige Hausbank die weitere Finanzierung des Unternehmens abgelehnt; eine Wiener Bank, die als Nachfolgerin zwecks Umschuldung gefunden werden konnte, gab schlussendlich Anfang September auch keinen Kredit mehr her.

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten werden mit etwa 1,97 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,1 Millionen Euro auf Banken, diese sind jedoch in Höhe von 480.000 Euro besichert.

Das Vermögen

Die Aktiva haben einen Buchwert in Höhe von 1,77 Millionen Euro, das freie Vermögen beträgt lediglich 720.000 Euro. Denn: Die Betriebsliegenschaft in Gams bei Hieflau ist mit Pfandrechten der Steiermärkischen Sparkasse in Höhe von 420.000 Euro belastet. Auch das Anlagevermögen, das einen Liquidationswert von 231.000 Euro hat, ist ebenso verpfändet wie das Warenlager (220.000 Euro) und die offenen Forderungen (145.000 Euro).

Die Zukunft

Der Teilbetrieb "Produktion" soll laut AKV geschlossen und weitere fünf Mitarbeiter sollen abgebaut werden. Nur eine Sekretärin wird künftig halbtags beschäftigt. In den nächsten drei bis vier Monaten könnte der Betrieb wieder etwas hochgefahren werden, heißt es weiter, weil Holz „kostendeckend und mit Gewinn verkauft werden könnte“. Entsprechende Akkreditive, also Zahlungsverpflichtungen von Banken der Kunden, liegen vor.

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