Oliver Samwer, der CEO von Rocket Internet, läutete den Börsengang an der Frankfurter Börse ein

© REUTERS/RALPH ORLOWSKI

Börsengang
10/02/2014

Rocket Internet zündet keine Kursrakete

Der Kurs fiel vom Ausgabepreis von 42,50 Euro rasch unter 40 Euro.

Die deutsche Online-Holding Rocket Internet ist bei ihrem Börsendebüt abgestürzt. Der höchstmögliche Ausgabepreis der Aktie von 42,50 Euro war den Anlegern offenbar doch zu optimistisch. Die Aktie stürzte gleich nach Handelsbeginn unter die 37-Euro-Marke und konnte sich kaum mehr erholen. Im Späthandel lag sie bei 38 Euro.

Der Börsengang von Rocket ging wesentlich leiser vonstatten als beim Schwesterunternehmen Zalando, das am Mittwoch mit viel Brimborium an den Markt gegangen war. Auch die Zalando-Aktien brachen am Donnerstag in der Spitze um zehn Prozent ein und dämpften die Börsen-Euphorie der vergangenen Wochen. "Da wurden jede Menge Aktien auf den Markt geworfen", beschrieb ein Händler den Handelsstart von Rocket Internet. Selbst Stützungskäufe der Banken, die den Börsengang begleiteten, hätten kaum etwas gebracht: "Der Verkaufsdruck zur Eröffnung war so groß, dass die Emissionsbanken nicht dagegenhalten konnten."

"Man muss Aktien langfristig betrachten", Rocket-Chef Samwer

Die Internet-Holding der Berliner Startup-Unternehmer Oliver, Marc und Alexander Samwer hatte die Aktien zu je 42,50 Euro zugeteilt und damit die Preisspanne voll ausgereizt. Doch nach den ersten Minuten herrschte bei den Managern gedrückte Stimmung. "Man muss Aktien langfristig betrachten und nicht kurzfristig an einem Tag, einer Woche oder einem Monat", sagte Oliver Samwer zu Reuters TV.

Rocket nimmt mit dem Börsengang bis zu 1,6 Mrd. Euro ein. Das Unternehmen hätte nach eigenen Angaben zu diesem Preis auch mehr als das Zehnfache der 37,9 Millionen angebotenen Papiere losschlagen können, obwohl Experten vor den Risiken einer solchen Aktie warnen. Rocket ist damit der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens in Europa seit dem Boom-Jahr 2000 und die größte Neuemission in Deutschland seit sieben Jahren. Das Unternehmen wird mit 6,7 Mrd. Euro bewertet.

Erfolgreiche Start-Ups länger halten

Rocket gründet Online-Dienstleister - vom Möbelhändler bis zum Taxi-Dienst - vor allem in Schwellenländern wie Indien und Brasilien - am Fließband. Mit dem Börsengang hat man nun mehr als zwei Milliarden Euro auf der hohen Kante. Oliver Samwer will die neu gegründeten Unternehmen künftig bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben. Rocket solle "die führende Internetplattform außerhalb der USA und Chinas werden", hatte der Kölner Anwaltssohn sein Ziel formuliert. Er und seine beiden Brüder haben ebenso wie die anderen Alt-Eigentümer beim Börsengang keine Anteile abgegeben. Die Beteiligung des Global Founders Fund der Samwers wird aber auf knapp unter 40 von 52 Prozent verwässert. Der schwedische Internet-Investor Kinnevik hält künftig noch 14 Prozent.

Was macht Rocket Internet eigentlich?

Rocket Internet hat sich darauf spezialisiert, neue Unternehmen zu gründen und großzumachen. In der Sprache der Startup-Welt nennt man das Modell einen "Inkubator", also wörtlich "Brutkasten". Neue Firmen werden bei Rocket praktisch am Fließband ausgebrütet.

Mit den Wissen der Gründer-Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer sowie ihrer Manager werden die Startups besonders schnell hochgezogen, teilweise steht ein neues Unternehmen innerhalb weniger Monate.

Der Unterschied zu klassischen Investoren ist, dass Rocket nicht nur als Geldgeber fungiert, sondern die Jungunternehmen mit aufbaut und aggressiv expandiert. "Wir bringen Firmen auf mehr als 100 Märkte und zielen dann darauf, sie zur Nummer eins zu machen", heißt es auf der Firmenwebsite. Ein Vorwurf aus dem Silicon Valley lautet, Rocket kopiere am laufenden Band Ideen aus der US-Internetbranche.

Startup-Schmieden unterhalten auch etablierte Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder Microsoft, die sich damit Zugang zu frischen Ideen verschaffen wollen. Daneben gibt es Programme wie das amerikanische Y Combinator, bei denen vielversprechende Startups mit einer Anschub-Finanzierung versorgt und drei Monate lang intensiv beraten werden. Am Ende stellen sie ihre Idee Investoren von außen vor und wollen damit weitere Finanzierung anlocken.

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