Wirtschaft
31.03.2012

RLB-OÖ-General: "Marktführerschaft ausbauen"

Heinrich Schaller will den Wachstumskurs seines Vorgängers Scharinger fortsetzen. Anders wird der Führungsstil.

Heinrich Schaller (52) ist neuer Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Er war Vorstand der Börse Wien, ist Vater von vier Kindern und folgt Ludwig Scharinger (69) nach, der das Haus seit 1985 geführt hat.

KURIER: Sie sind nun Chef der stärksten Regionalbank Österreichs. Ihr Vorgänger heißt Ludwig Scharinger, Ihr Vorvorvorgänger Karl Schaller. Wer ist das größere Vorbild, Scharinger oder Ihr Vater?  Heinrich Schaller: Ich möchte hier gar nicht differenzieren. Dass einem der Vater emotional nähersteht, ist kein Wunder. Rein fachlich sind beide Vorbilder.

Wie war das für Sie als Kind, wenn Sie mitbekommen haben, der Vater ist in der Bank? Er war immer sehr engagiert. Auch am Wochenende war er viel bei den Raiffeisen-Banken unterwegs. Von der Tätigkeit an sich nimmt man als Kind nicht so viel auf.

Was haben Sie sich von Scharinger abgeschaut, und was werden Sie ganz anders machen? Was ich mir abgeschaut habe, ist seine extreme Kundenorientierung. Das darf sich nicht ändern, weil das ein wesentlicher Teil des Erfolges ist. Ändern wird sich sicher die Führungskultur. Er hat seine gehabt, ich habe meine. Jeder macht es so, wie es für ihn am besten ist. Ich bin sehr teamorientiert und werde die Eigenverantwortung des Teams auch einfordern.

Im österreichweiten Vergleich fällt die Beteiligungs­strategie auf. Werden Sie diese fortführen oder ändern? Die Bank hat bewusst den Beteiligungsweg gewählt, weil man überzeugt war, dass Unternehmen Eigenkapital brauchen und die Bank den Vorteil hat, am Wertzuwachs des Unternehmens beteiligt zu sein. Diese Strategie wird sich nicht ändern. Es kann sein, dass das Portefeuille ausgebaut wird.

Die Bank ist sehr stark in Bayern engagiert, auch in Tschechien. Süddeutschland funktioniert hervorragend. Warum sollte ich einen guten Markt aufgeben? In Tschechien überlegen wir, noch stärker mit Raiffeisen Tschechien zusammenzuarbeiten.

Das Ergebnis von Raiffeisen International mit 1,4 Milliarden Euro vor Steuern stimmt Sie zufrieden? Definitiv ja. Es zeigt, dass gute Arbeit geleistet wurde. Raiffeisen International hat bewiesen, dass es das Geschäft im Griff hat. Es wird sich zeigen, ob aufgrund der neuen Eigenkapitalvorschriften ein so starker Wachstumskurs wie in der Vergangenheit noch möglich sein wird. Hier wird man vorsichtiger sein müssen.

Wo sehen Sie die Wachstumsmärkte? Ich sehe sie im eigenen Land. Ich will die Marktführerschaft nicht nur halten, sondern ausbauen.

Das heißt, andere müssen verlieren. Faktisch ja.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Raiffeisen Niederösterreich-Wien? (lacht) Für mich gut. Dass es da und dort Spannungen gegeben hat, ist kein Wunder. Gesunde Konkurrenz belebt den Markt und ist gut. Das heißt nicht, dass man nicht in der einen oder anderen Sache miteinander kooperieren und Effizienzen heben kann.

Sie haben sich mehrfach gegen die Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. Auch ein Punkt, der Sie von Scharinger unterscheidet. Auch wenn ich den Job gewechselt habe, so habe ich nicht meine Meinung gewechselt. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen kann man über diese Steuer reden: Dass sie alle Bereiche und Produkte betrifft. Weiters nicht nur den Börsenhandel, sondern auch den außerbörslichen Handel. Außerdem dürfte sie nur ganz gering sein und müsste in ganz Europa eingeführt werden. Ich trete auch gegen eine Börsenumsatzsteuer in Österreich auf. Denn wir machen damit den Kapitalmarkt kaputt. Wir können es uns nicht leisten, dass deswegen Kapital aus Österreich abfließt. Den Banken wird es aufgrund verschärfter Regeln immer schwieriger gemacht, die Realwirtschaft mit Liquidität und Kapital zu versorgen. Wir brauchen einen Kapitalmarkt, auf dem sich die Unternehmen und Banken das Geld beschaffen können.

Hat Österreich zu viele Banken? Wir haben viele, aber wie man in der letzten Zeit sehen kann, hat ein gewisser Bereinigungsprozess begonnen.

Die staatlichen Zuschüsse zum Bausparen und zur Pensionsvorsorge wurden gekürzt. Das Bausparen ist kein unwesentliches Instrument. Dieses Geschäftsfeld sollte man aufrechterhalten, weil die Menschen ansparen. Bei der Zukunftsvorsorge halte ich die Kürzung der Förderung den Kunden gegenüber nicht für fair. Zuerst wurde versprochen, was jetzt nicht eingehalten wird.

Sie machen nun dasselbe wir Ihr Vater von 1949 bis 1973. Wie geht es Ihnen dabei? Ich gebe ehrlich zu, dass ich darauf stolz bin. Auf der anderen Seite sehe ich es als doppelte Herausforderung. Ich muss mich noch mehr anstrengen.

Scharinger: "Ich gehe in den Unruhestand"

Ludwig Scharinger war hart, manchmal war er vielleicht zu hart, aber am härtesten war er zu sich selbst. Ein ,Geht-Nicht" gibt es nicht bei ihm. Er hat ein gewaltiges Arbeitspensum absolviert." Mit diesen Worten würdigte Jakob Auer, Präsident der Raiffeisenlandesbank OÖ, den scheidenden Generaldirektor. Freitagabend hatte sich das gesamte offizielle Oberösterreich in der Linzer Bankzentrale versammelt, um Scharingers Abschied zu feiern.

Nachfolger Heinrich Schaller bedankte sich für die "großartige Übergabe, es hat wirklich keine Diskussionen gegeben". An Scharinger gewandt, sagte er: "Ich wäre dumm, wenn ich auf deine Meinung, deine Kompetenz und deine Visionen verzichten würde." Scharingers Bilanz sei einzigartig. Die Bilanzsumme sei von 1,6 Milliarden im Jahr 1985 auf 31,7 Milliarden (2011) gestiegen, die Mitarbeiteranzahl von 780 auf 3226.

Landeshauptmann Josef Pühringer dankte auch Scharingers Frau Anneliese: "Mit so einem Energiebündel verheiratet zu sein, ist eine Herausforderung an sich." Ludwig Scharinger , der der Bank 40 Jahre angehört hat, davon 27 Jahre als Generaldirektor, sagte: "Ich gehe nicht in den Ruhestand, sondern in den Unruhestand. Ich sehe noch so viele Möglichkeiten, wo ich etwas tun kann." Scharinger bleibt als Konsulent und übersiedelt in den 8. Stock.

Unter den Ehrengästen: Chinas Botschafter Mingde Shi, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der Präsident der deutschen Arbeitgeberverbände Dieter Hundt, Lenzing-Chef Peter Untersperger , voest-alpine-Boss Wolfgang Eder, der Industrielle Hannes Androsch, RLB-NÖ-Chef Erich Hameseder und Walter Rothensteiner, Generaldirektor Raiffeisen-Zentralbank.