Wirtschaft
05.12.2011

Riesige Enttäuschung über Politik

Raiffeisen-Chefanalyst Brezinschek über Stimmung in den USA

Wie reagieren die Menschen in den USA auf die Schuldenproblematik? Der KURIER fragte Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International, der am Freitag von einer zweiwöchigen USA-Reise zurückkehrte. Brezinschek über. . .

. . . US-Schulden: Die Menschen haben das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Politiker verloren. Das betrifft sowohl Demokraten als auch Republikaner. Es gibt in den USA eine riesige Enttäuschung über die Politik. Das Stimmungsbarometer, das die Zeitschrift US Today veröffentlicht hat, zeigt dies klar: Jeder Politiker verliert.

. . . Neues Schuldenlimit: Das vage Versprechen der Politiker über zehn Jahre 2400 Milliarden Dollar zu sparen, ist den Menschen zu wenig. Sie sind überzeugt: Das kann nicht alles gewesen sein. Das ist auch das Hauptthema im US-Fernsehen von frühmorgens bis zum Abend.

. . . US-Konsumklima: Von einer großen Flaute hätte ich nichts bemerkt. Noch immer ist es möglich, dass fast nebeneinander liegende Tankstellen sehr unterschiedliche Preise verlangen und die Autofahrer auch bei der teureren tanken. Im Handel waren keine Rabattschlachten wie nach dem Lehman-Zusammenbruch 2008 zu sehen. Es gab weniger Sonderangebote als vor einem Jahr.

. . . Häusermarkt: Die Zahl der "homeless people" hat zugenommen. Man kommt durch keine Straße, in der es nicht Schilder an den Häusern mit "zu verkaufen", "zu vermieten", "reduzierter Hauspreis" zu lesen gibt. Das Problem der überschuldeten Hausbesitzer wird die USA noch Jahre beschäftigten. Denn diese Häuser sind meist alt und schlecht gebaut. Sie sind zu teuer im Vergleich zu den neuen Häusern. Dieser schlechte Häusermarkt wird lange einen florierenden Aufschwung behindern.

. . . US-Bonität: Die drohende Herabstufung der USA durch die Ratingagenturen wird von vielen Amerikanern erwartet. Sie glauben auch nicht, dass die Ratingagenturen die USA bevorzugt behandeln. Die Amerikaner erkennen, dass es auf beiden Seiten des Atlantik eine Schuldenproblematik gibt.

. . . Europas Schulden: Diese spielen in der Wahrnehmung der Amerikaner weniger Rolle. In der New York Times etwa kam die griechischen Schuldenkrise erst auf Seite acht vor.

. . . Rezessionsängste: Die sind nicht so groß. Die Konjunktur läuft ja noch einigermaßen gut. Die Abschwächung des Wachstum aber war sicher ein Auslöser des Verfalls der Aktienkurse.

. . . Börsenabsturz: Viele Anleger hoffen, dass die Kursverluste überzogen sind und sich die Lage bald beruhigt. Immerhin sind die Unternehmensergebnisse nicht so schlecht.

. . . Erwartung an die Politik: Dass nicht nur Absichtserklärungen, sondern echte Beschlüsse gefasst werden. Dass es klare Aussagen darüber gibt, wie das Wachstum angekurbelt werden kann und wo gespart wird.

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