Wirtschaft 22.03.2018

Unbekannter Gigant: Im Dienste der Elektro-Branche

© Bild: Rexel

Wie sich Österreichs Marktführer im Elektro-Großhandel den digitalen Herausforderungen stellt

Rexel? „Noch nie gehört“, werden die meisten Österreicher wohl sagen. Dabei hat dieses Unternehmen 620 Mitarbeiter, schreibt 350 Millionen Euro Jahresumsatz und ist damit Marktführer im österreichischen Elektrogroßhandel. Vom Kabelbinder bis zur Waschmaschine – Rexel liefert über seine beiden Marken Schäcke und Regro  alles. Bei den Elektrikern und im Elektro-Einzelhandel ist Rexel daher nicht nur wohl bekannt sondern, der Hauptlieferant schlechthin.
Dass sich der Großhändler in der Welt der Online-Bestellungen, des Ab-Fabrik-Verkaufs und des Preisdrucks gut behauptet, hat viel mit der Wandlungsfähigkeit des Unternehmens zu tun. „Waren ausliefern allein, reicht längst nicht mehr“, betont Rexel Austria-Chef Robert Pfarrwaller. Der ehemalige Chef von Philips Österreich (2009 bis 2014) hat Rexel gemeinsam mit seinem Team mit viel Gespür für Markt und Innovation auf die neuen Anforderungen umgestellt. „Wir sichern unseren Kunden Zustellung über Nacht zu. Somit entlasten wir die Lager unserer Kunden“, betont Pfarrwaller.

Riesiges Zentrallager

Auf 23.000 Quadratmetern Fläche hat Rexel im Zentrallager Weißkirchen in Oberösterreich 41.000 Produkte parat. 20 Sattelschlepper verlassen jede Nacht vollgepackt mit den Waren, die Elektriker und Händler bestellen, Weißkirchen und liefern an neun regionale Umschlagpunkte österreichweit aus. Von dort fahren kleinere Lkw zu den Betrieben. „Diese könnten bis 19 Uhr abends bei uns bestellen und haben das Produkt am nächsten Tag im Geschäft. Damit ersparen sie sich ein eigenes Lager“, betont Pfarrwaller“, betont Pfarrwaller.

Wachsender Preisdruck

Im digitalen Zeitalter aber ist das Übernehmen der Lagerhaltung allein nicht mehr die einzige Strategie, die einem Großhändler das Überleben sichert. „Die Digitalisierung hat die Transparenz erhöht, damit wird der Preisdruck enorm geworden“, beschreibt Pfarrwaller die neue Herausforderung. Die Antwort von Rexel lautet: „Wir müssen mehr bieten als ein simpler Logistiker. Wir stehen im Dienste unserer Kunden“, sagt der Rexel-Chef. Der Großhändler hilft Elekriker-Betrieben zum Beispiel bei der Projektierung von technisch komplexen Lösungen wie etwa Lichtinstallationen. So kann das Gewerbe erfolgreich Aufträge jeder Größenordnung übernehmen und ausführen. Dasselbe gilt für Aufträge zur Gebäudeautomation oder Verbesserung der Energieeffizienz. „Wären wir heute nur Lagerhalter ohne zusätzliche Services, würde das Geschäft nicht funktionieren“, ist Pfarrwaller überzeugt.


Die Kunden – für Rexel Austria sind das immerhin 12.000 Betriebe – würden ein „Rundum-Sorglos-Paket“ bekommen. Aber auch das werde langfristig nicht reichen. Rexel stecke ständig in der Transformation, sagt Pfarrwaller. Der Großhändler werde noch stärker zum Spezialisten. Das umfasse etwa die Planung von „Smart Homes“, also voll-digitalisierten Einfamilienhäusern über elektrotechnische Lösung den der Gewerbebetriebe bis hin zu Energiemanagement von Industriebetrieben bis zur Unterstützung beim Energiesparen und der Beratung bei neuen Technologien.

Umgesetzt werde das dann von den Elektrikern vor Ort. Mit der Digitalisierung werde der Markt noch individueller, dem müsse Rexel folgen. „Es gibt keine generellen Lösungen mehr. Wir müssen unser Angebot stetig an die Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden und wiederum dessen Kunden anpassen“, lautet die Devise des Rexel-Chefs.  

Robert Pfarrwaller Chef von Rexel
Robert Pfarrwaller Chef von Rexel © Bild: Rexel

 

Der Großhändler: Rexel Austria

Rexel Austria ist Teil der weltweit tätigen französischen Rexel-Gruppe und mit 350 Millionen Euro Umsatz Marktführer in Österreich. 620 Beschäftigte arbeiten an 15 Standorten in Österreich. Zu Rexel Austria gehört das frühere Familienunternehmen Schäcke sowie Regro, das von ABB übernommen wurde und Industriekunden beliefert.

Robert Pfarrwaller (58) war viele Jahre Manager bei Philips und hat für den niederländischen Elektrokonzern in vielen Ländern der Welt gearbeitet ( Osteuropa, Südost-Asien, Neuseeland, Deutschland). 2009 bis 2014 war er Chef von Philips Österreich. Dann wechselte er an die Spitze von Rexel Austria. Pfarrwaller ist auch im Vorstand der IV Wien.

( kurier.at , iko ) Erstellt am 22.03.2018