Renault Twizy: Alternativ unterwegs

BMW war mit einem ähnlichen Konzept der Zeit voraus und gab den C1 wieder auf. Das Elektro-Spaß-Vehikel aus Frankreich hofft mit seinem Konzept auf mehr Nachfrage, vor allem bei jungen urbanen Führerschein-Verweigerern.

Was ist das: Es hat keine Türen, keine Heizung, keine Lüftung sowie keine Servohilfe fürs Lenken und Bremsen? Richtig, es ist ein neuer Beitrag zur smarten Mobilität, fährt elektrisch, hat je nach Ausführung 5 oder 20 PS und hört auf den Namen Renault Twizy. Wobei Twizy für "Twin" (Zwilling, doppelt) und "easy" (leicht, simpel) steht. Die spartanische Ausstattung erklärt Renault damit, dass ein möglichst niedriger Preis und eine möglichst gute Reichweite Vorrang hatten. Was von hinten für einige wohl wie ein motorisierter Rollstuhl aussieht, ist ein Angebot für „aktive Stadtbewohner“ ab 15. In Frankreich gilt die schwächere Version als Mopedauto, für das kein Führerschein nötig ist und das man auch quer zum Gehsteig parken darf. In französischen Großstädten haben bereits 50 % der 18- bis 25-Jährigen keinen Pkw-Führerschein, so ein Renault-Sprecher. In Österreich ist Querparken für vierrädrige Fahrzeuge verboten. Auch die Zeit, wo Mopedautos ohne "Schein" zu fahren waren, ist bei uns vorbei. Auf jeden Fall ist der Twizy aber mit 6990,– (ohne Batterien) deutlich günstiger als traditionelle Mopedautos. Auch im Vergleich zum BMW C1 aus dem Jahr 2000 um umgerechnet knapp 6000 Euro wirkt er günstig. Auch wenn für die Batterie zusätzlich eine Monatsgebühr von 45 Euro zu entrichten ist. Zu laden ist der Twizy an normalen Steckdosen. Dank der kleineren Batterien ist eine Vollladung in dreieinhalb statt der sonst üblichen sieben bis acht Stunden erledigt. In Fahrt

Das Besteigen des Twizy ist ziemlich einfach, auch der Vierpunktgurt für den Lenker ist ohne Fingerübungen festzumachen. Das Fahren selbst verlangt von den Bedienelementen her ebenfalls keine große Umstellung. Beschleunigt und gebremst wird wie bei einem Auto mit Automatikgetriebe, das Lenken ist trotz fehlender Servounterstützung auch für schwächere Personen leicht zu erledigen. Wichtig ist die zentrale Anzeige mit Informationen über
den Stromverbrauch, den Ladezustand der Batterien und die verbleibende Reichweite. Gestartet wird wie bei "normalen" Autos mit Schlüssel, der Vorwärts- oder Rückwärtsgang erfolgt per Knopfdruck. Obwohl der Twizy auf den ersten Blick filigran wirkt, fegt er überraschend stabil über die Straßen. Der tiefe Schwerpunkt dank der Batterien am Fahrzeugboden trägt wesentlich zur guten Straßenlage bei. Auch die Bremsen packten zumindest auf der kurzen Testfahrt erwartungsgemäß zu. Wie dies auf längeren Bergabstrecken oder bei schlechten Wetterbedingungen aussieht, werden spätere Tests zeigen. Wir fuhren die 80er-Version (siehe Technik, Bild 8) . Angenehm war, dass mit dem Twizy Langhaarige viel weniger Verwirbelungen fürchten müssen als früher mit dem BMW C1.

Klar im Vorteil ist der Twizy punkto Wendigkeit. Er braucht für eine Wende 1 m weniger (3,4 m) als der ohnehin kleine Toyota iQ und ist auch viel schmäler als selbst winzige Stadtautos. Bei einem Seitencrash ist dies für Twizy-Passagiere aber sicher kein Vorteil. Zu den üblichen Pkw-Crashtests muss der Twizy dank seiner Bauart übrigens nicht antreten, so ein Renault-Sprecher. Da sich der Twizy eher als Alternative für Zweirad- oder Dreirad-Vehikel sieht, wird dies als kein Nachteil gesehen. Auf jeden Fall lässt sich der Twizy gegen Aufpreis sehr bunt gestalten und mit Halbtüren, Regenschutz, Abdeckplane, Lade-Rucksack usw. ausstatten. Auch Winterreifen wird’s geben.

Nur eines will Renault verhindern: Dass die 45er- auf eine 80er -Version "auffrisiert" wird. Das ließe schon das Getriebe nicht zu. Technik:

Maße: L x B x H 2320 x 1191 x 1461 mm, Radstand 1684 mm, Spurweite v/h 1050/1036 mm, Wendekreis 3,4 m, Stauraum 63 l. Gewicht 450 kg (inkl. 100 kg Batterien).

Antrieb: E-Synchronmotor, 4 kW/5 PS (Twizy 45), 15 kW/20 PS (Twizy 80), max. Drehmoment 57 Nm, Untersetzungsgetriebe mit Vor- und Rückwärtsgang, Batterien: Lithium-Ionen, 7 kWh, Ladedauer 3,5 h. Reichweite (EU-Stadtzyklus) ca.100 km, Spitze 45 km/h (Twizy 45) bzw. 80 km/h (Twizy 80), vier Scheibenbremsen.

Preis: ab 6990,– Euro.

Österreich-Start: Frühjahr 2012.

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(kurier) Erstellt am
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