Wirtschaft
01.04.2017

Wo die Kasse registriert ist, wird viel mehr konsumiert

OECD-Studie: Technologische Lösungen gegen Steuerhinterziehung bringen 15 bis 20 Prozent mehr Steuern.

Unternehmer hatten am 1. April schon mehr zu Lachen: Seit Samstag ist in Österreich der Einsatz jener neuen Software vorgeschrieben, die die 2016 eingeführten Registrierkassen manipulationssicher machen soll. Es mag ein schwacher Trost sein, aber international geht der Trend ebenfalls in diese Richtung.

"Verwaltungen setzen weltweit technologische Lösungen ein, um Steuervermeidung und -betrug zu bekämpfen", sagte OECD-Steuerexpertin Grace Perez-Navarro am Freitag bei einem Gipfel zur Korruptionsbekämpfung in Paris. Nach Superreichen, die ihr Geld in Steueroasen parken und multinationalen Konzernen, die Gewinne verschieben, nehme die Reiche-Staaten-Organisation die Schattenwirtschaft bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen ins Visier.

Gegen Zapper und Phantomware

Früher sei von diesen in die Kasse mit dem Bargeld gegriffen worden, um Einnahmen vor der Finanz zu verbergen. Heute erledigt das Software ("Phantomware" oder "Zapper"), die Umsätze aus der Buchungsliste verschwinden lässt. Eine OECD-Studie trug Erfahrungen von Ländern zusammen, die dieser Praxis schon vor Österreich den Kampf angesagt hatten:

Ungarn

2014 wurden Online-Kassen vorgeschrieben; erst im Handel und Gastgewerbe, seit 2016 auch für Dienstleister und Autohändler. Im ersten Jahr seien die Mehrwertsteuereinnahmen gleich um 15 Prozent gestiegen, sagte Szabolcs Czöndör von der Finanzverwaltung.

Belgien

Durch den Einsatz registrierter Kassen gab es in den Restaurants 2015 eine Umsatzsteigerung um 8 Prozent – obwohl 80 Prozent der Betriebe die Technologie in diesem Jahr nur zwei Monate lang im Einsatz hatten. Längerfristig betrage der Zuwachs 20 Prozent pro Jahr.

Kanada

Besonders kühn waren vier Restaurantbetreiber: Sie hatten 200.000 Buchungen im Wert von 3,1 Millionen Euro "weggezappt". Die Provinz Quebec erwartet sich von 2016 bis 2019 Mehrsteuern von 1,44 Milliarden Euro.

Schweden

Seit 2010 sind 135.000 Kassen online mit dem Fiskus verbunden, der pro Jahr um 300 Millionen Euro mehr Steuern lukriert.

Österreich

Experten bezweifeln die Zahlen zwar, die Finanz hält aber daran fest: Die Registrierkassenpflicht soll 900 Mio. Euro Mehreinnahmen bringen. Valide Aussagen könne man aber erst für das Jahr 2018 treffen.