Neben der Pharma-Industrie profitieren auch Online-Händler, Sanitär- und Desinfektionsmittelhersteller und nicht zuletzt Spekulanten vom Ebola-Virus.

© REUTERS/AXEL SCHMIDT

Krisengewinnler
10/02/2014

Ebola: Wer mit dem tödlichen Virus Profit macht

In Westafrika bricht die Wirtschaft ein, Hungersnöte drohen. Spekulanten verdienen mit Pharma-Aktien und Nahrungsmitteln.

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds befürchten einen "katastrophalen" Rückgang von Wirtschaft und Handel in den von Ebola betroffenen westafrikanischen Ländern. Allein in Liberia könne im kommenden Jahr das Bruttoinlandsprodukt im zweistelligen Prozentbereich absacken, in Sierra Leone um fast 9 und in Guinea immerhin noch um 2,3 Prozent. Doch auch in Zeiten wie diesen - oder gerade in solchen - lässt sich auch Geld verdienen:

Hungersnot droht

Ebola führt zu einer Isolation der wirtschaftlich ohnehin fragilen Länder. Die meistenFluggesellschaften haben den Verkehr eingestellt, der Außenhandel ist zusammengebrochen, auch die Landwirtschaft steht vor dem Kollaps. Schon jetzt leben rund 70 Prozent der Menschen in Sierra Leone oder Liberia von der Hand in den Mund. Da die Felder in denQuarantänezonennicht bestellt werden können, droht ab Februar 2015 eine Hungersnot, wie die deutsche Welthungerhilfe vor einigen Tagen ausrechnete.

"Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit", sagt auch Liberias Handelsminister Axel Addy. Die Epidemie habe alle Bereiche der Wirtschaft erfasst, die voriges Jahr noch um acht Prozent gewachsen war. Die Ausfuhr von Eisenerz und Latex, den beiden Hauptexportprodukten, sei fast zum Erliegen gekommen. Gefährdet sei auch die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die Vorräte an Reis drohten Ende November auszugehen.

Spekulation mit Nahrungsmitteln

Spekuliert wird daher mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln, sogenanntenFutures. Diese dürften sich im Falle einer weiteren Ausbreitung der Epidemie rapide verteuern. Deutlich gestiegen ist etwa der Kurs vonKakao.

Was das mit Ebola zu tun hat, erklärt das Wall Street Journal so: 60 Prozent der weltweiten Produktion komme aus den Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Und die Elfenbeinküste, Ghanas Nachbar, habe unkontrollierte Grenzen zu den Ebola-Ländern Liberia und Guinea. Sollte die Krankheit die Kakao-Regionen erreichen, könne die Produktion einbrechen. "Das letzte Mal, als die Exporte aus der Elfenbeinküste zum Stillstand kamen - während einer Bürgerkriegsphase Ende 2010 und Anfang 2011 - gingen die Preise für Kakao-Terminkontrakte um bis zu 32 Prozent nach oben." Vorerst besteht diese Gefahr nicht, da die Elfenbeinküste in diesem Jahr eine Rekordernte eingefahren hat.

Online-Handel boomt

In Nigeria, dem mit mehr als 170 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas, boomt wegen Ebola der Online-Handel. Bei Jumia, dem größten E-Commerce-Unternehmen des Landes, haben sich die Auftragseingänge für Waren des täglichen Bedarfs seit dem Virusausbruch verdreifacht. Starke Zuwächse verbuchten auch die Konkurrenzfirmen Konga und Kaymu.

Zwar registrierte das Riesenland bisher nur acht der weit mehr als 3300 Ebola-Todesfälle in Westafrika. Aber die Schreckensbilder sterbender Menschen aus den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone, Monrovia und Freetown, hätten viele Nigerianer veranlasst, große Menschenansammlungen auf Märkten oder in Shopping Malls zu meiden, berichtete das Magazin The Economist. Die Online-Händler profitieren nach eigenen Angaben auch durch eine stark gestiegene Nachfrage nach Sanitär- und Desinfektionsmitteln.

Biotech-Firma als Gewinner

Eine ganz besondere Sorte "Ebolagewinnler" sind auch jene, die in dieser Situation gezielt auf Aktien oder Optionen von Unternehmen setzen, deren Umsätze durch die Krise steigen könnten. Anteilsscheine der kanadischen Biotech-FirmaTekmira Pharmaceuticals etwa sind in den vergangenen Wochen um mehr als 20 Prozent nach oben gegangen. Tekmira gehört zu jenen Unternehmen, die an Impfstoffen gegen Ebola arbeiten. Zehntausende Dosen hofft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis spätestens Anfang 2015 bereitstellen zu können.

Beim Börsenbroker Lynx hieß es dazu, man drücke "natürlich weiterhin fest die Daumen, dass hier schon bald ein brauchbares, zuverlässiges und vor allem für die Bevölkerung günstiges" Mittel auf den Markt komme. Die Tekmira-Aktie befinde sich "technisch noch immer in einer sauberen Aufwärtsbewegung".

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