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Wirtschaft
12/05/2011

Preisverfall bei Gold: Finanzwelt spielt verrückt

Heute Kursdebakel, morgen satt im Plus, Anleger ziehen sich sogar aus sicheren Häfen zurück. Der Goldpreis sank unter 1600 Dollar je Unze.

Die Angst davor, dass die Schuldenkrise zu einer neuerlichen tiefen Rezession führt, bringt die Finanzmärkte derzeit vollkommen aus den Fugen. Veranlagungen, mehr oder weniger egal, wie sie lauten, werden auf den Markt geworfen. "Cash is king", lautet die Devise - mit heftigen Auswirkungen auch auf vermeintlich sichere Häfen.

Gold und Silber:
Der Ausverkauf bei Aktien und riskanten Anleihen löste in den vergangenen Monaten einen Run auf Gold aus. 1920 Dollar je Unze kostete das Edelmetall am 6. September. Am Donnerstag der Vorwoche setzte ein Verkaufs-Tsunami ein. Am Montag wurde Gold im Tief um nur noch 1535 Dollar gehandelt. Allein in den vergangenen drei Tagen summiert sich der Verlust auf 14 Prozent, bei Silber sogar auf 34 Prozent. Das ist der größte Preisverfall seit rund 30 Jahren. Warum wird Gold jetzt überhaupt verkauft? Weil im Moment so gut wie alles verkauft wird, um Liquidität zu schaffen, meinen Experten. Dazu kommt: Im Unterschied zu den meisten anderen Veranlagungen haben Investoren mit Gold noch Gewinne gemacht - die eben jetzt realisiert werden.

Industriemetalle: Ebenfalls unter die Räder kamen Metalle, die bei schwacher Konjunktur weniger nachgefragt werden. Kupfer war am Montag so billig wie schon seit 14 Monaten nicht mehr.

Finanztitel: Wie sehr die Märkte derzeit verrückt spielen, zeigte sich am Montag bei Finanzaktien. Unklar ist, wie sehr Banken und Versicherungen beim Hilfspaket für Griechenland werden mitzahlen müssen. Unklar ist, ob Banken in der Eurozone nicht doch zusätzliches Kapital brauchen. Trotzdem ging bei Finanztiteln zum Wochenstart die Post ab. Allein die Hoffnung auf neue Maßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise (wie ein Vorziehen des permanenten Euro-Rettungsschirms) reichte für einen Kursgalopp. In Wien zog etwa der Kurs der Erste Group um 10,5 Prozent, jener der Raiffeisen Bank International um 10,3 Prozent an. In Frankfurt verteuerten sich Finanztitel um fünf bis zehn Prozent.

Erdöl: Das schwarze Gold, dessen Preis unmittelbar mit der Entwicklung der weltweiten Konjunktur zusammenhängt, zeigte sich in den vergangenen Monaten relativ krisenresistent. Dies spiegelt sich in der hohen Inflation wider, die zum größten Teil auf die Energiepreise zurückzuführen war. Im August verteuerte sich Haushaltsenergie in Österreich um 10,8 Prozent. Doch wie es scheint, kehren die Finanzinvestoren nun auch Erdöl den Rücken. Seit Anfang September verlor Öl rund zehn Prozent an Wert. Am Montag schrammte das schwarze Gold mit 101,5 Dollar je Barrel (159 Liter) sogar fast die psychologisch wichtige 100-Dollar-Marke. Autofahrer merken von dieser Entwicklung noch nichts. Der Spritpreis verweilt weiter auf rekordverdächtig hohem Niveau. Und auch Gas wird, wie berichtet, in den kommenden Monaten teurer - bei Strom droht ein ähnliches Szenario.

Fazit: Energie bleibt teuer. Denn an einen Ölpreisverfall wie 2008, als Rohöl innerhalb weniger Monate um mehr als 100 auf 36 Dollar das Fass gesunken war, glauben Experten nicht. OMV-Boss Gerhard Roiss geht in den kommenden zwölf Monaten von einem Preis von 90 bis 110 Dollar je Fass aus.

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